Dimetinden ist ein Antiallergikum. Während wir es privat oft als Gel gegen Mückenstiche nutzen, setzen wir es im Rettungsdienst intravenös ein, um systemische allergische Reaktionen zu stoppen.
1. Wirkweise: Den Histamin-Ansturm blocken
Bei einer Allergie schüttet der Körper massenhaft Histamin aus. Histamin sorgt für Juckreiz, Schwellungen (Ödeme) und eine Weitstellung der Gefäße (Blutdruckabfall).
- Der Rezeptor: Dimetinden ist ein H1-Antihistaminikum der 1. Generation.
- Der Mechanismus: Es besetzt die H1-Rezeptoren im Körper (kompetitiver Antagonist). Das Histamin findet keinen freien Platz mehr und kann seine Wirkung nicht entfalten.
- Das Ergebnis: Die Gefäße werden wieder dichter (weniger Ödeme), der Juckreiz lässt nach und die Bronchien entspannen sich leicht.
Wichtig für die Ausbildung: Wie auch Vomex ist Dimetinden ein Antihistaminikum der 1. Generation. Das bedeutet, es ist sehr fettlöslich und gelangt problemlos ins Gehirn. Deshalb ist die Hauptnebenwirkung eine starke Müdigkeit.
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2. Indikation: Wann ziehen wir die Ampulle?
- Allergische Reaktionen: Von der Nesselsucht (Urtikaria) bis zum Quincke-Ödem (Schwellung im Gesicht/Hals).
- Anaphylaktischer Schock: Hier immer in Kombination mit Adrenalin, Cortison und Volumen.
- Juckreiz und Insektenstiche: Wenn die Reaktion über das normale Maß hinausgeht.
3. Dosierung: Die übliche Menge
- Erwachsene: In der Regel 4 mg i.v. (entspricht einer Ampulle mit 4 ml).
- Applikationsweg: Langsam i.v. spritzen.
- Kinder: Hier wird nach Gewicht dosiert (meist ca. 0,1 mg pro kg Körpergewicht).
4. Kontraindikationen: Wann ist Vorsicht geboten?
Da es eng verwandt mit anderen Antihistaminika ist, ähneln sich die Warnhinweise:
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.
- Frühgeborene und Neugeborene (hier ist die Gabe streng kontraindiziert).
- Asthma-Anfall: Vorsicht, da die Sekrete in den Bronchien zäher werden können (ähnlich wie bei Vomex).
- Glaukom und Harnverhalt: Aufgrund der leichten anticholinergen Wirkung.
5. Nebenwirkungen
- Starke Sedierung: Der Patient wird oft sehr schläfrig („Fenistil-Hammer“).
- Mundtrockenheit.
- Gelegentlich Unruhe: Besonders bei Kindern kann es selten zu einer paradoxen Erregung statt Müdigkeit kommen.
Zusammenfassung für die Ausbildung
| Merkmal | Details |
| Wirkstoffgruppe | H1-Antihistaminikum (1. Generation) |
| Rezeptor | H1-Rezeptor-Antagonist |
| Standard-Dosis | 4 mg i.v. (1 Ampulle) |
| Hauptwirkung | Minderung von Juckreiz, Ödemen und Gefäßweite bei Allergien |
Praxis-Tipp: Dimetinden allein rettet keinen Patienten im anaphylaktischen Schock! Es bekämpft nur die Symptome an den Rezeptoren. Wenn der Patient Atemnot oder einen niedrigen Blutdruck hat, ist Adrenalin das Medikament, das den Unterschied macht. Dimetinden und Cortison sind dann die „Nachhut“, um die Reaktion langfristig zu stabilisieren.
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