Adrenalin ist ein körpereigenes Hormon und ein direkter Botenstoff des Sympathikus. Im Notfall ist es unsere Allzweckwaffe, weil es das Herz-Kreislauf-System massiv ankurbelt.

1. Wirkweise: Der totale Sympathikus-Kick

Adrenalin ist ein direktes Sympathomimetikum. Es wirkt auf fast alle Rezeptoren des Sympathikus (Alpha und Beta). Je nach Dosis stehen unterschiedliche Effekte im Vordergrund:

  • Alpha-1-Rezeptoren: Bewirkt eine starke Verengung der Blutgefäße (Vasokonstriktion). Der Blutdruck steigt massiv an und die Schleimhäute schwellen ab.
  • Beta-1-Rezeptoren: Das Herz wird “gepeitscht”.
    • Positiv inotrop: Steigerung der Schlagkraft.
    • Positiv chronotrop: Steigerung der Herzfrequenz.
    • Positiv dromotrop: Beschleunigung der Erregungsleitung.
  • Beta-2-Rezeptoren: Bewirkt eine Weitstellung der Bronchien (Bronchodilatation).

2. Indikationen: Wann wird es lebenswichtig?

  1. Reanimation (CPR): Um den Blutdruck (Perfusionsdruck) für Herz und Hirn hochzuhalten.
  2. Anaphylaxie (Grad III/IV): Um den Kreislauf zu stützen, die Bronchien zu weiten und Schwellungen zu lindern.
  3. Schwere Bradykardie: Wenn Atropin versagt (meist als Perfusor oder Tropf).
  4. Pseudokrupp / Inhalation: Zur Abschwellung der Atemwege (inhalativ).

3. Dosierung: Hier entscheidet die Präzision!

Adrenalin hat je nach Notfall völlig unterschiedliche Dosierungen. Ein Fehler kann hier tödlich sein.

  • Reanimation (Erwachsene): 1 mg i.v. (unverdünnt oder mit NaCl nachspülen). Alle 3–5 Minuten (meist nach dem 3. Schock, dann alle 2 Zyklen).
  • Anaphylaxie (Erwachsene): 0,5 mg i.m. (intramuskulär!).Hinweis: i.v. wird Adrenalin bei Anaphylaxie nur durch sehr erfahrene Anästhesisten/Notärzte und stark verdünnt gegeben, da die Gefahr von Kammerflimmern besteht.
  • Inhalation (z.B. Pseudokrupp): 2 mg bis 5 mg (pur oder mit NaCl verdünnt) über den Vernebler.
  • Bradykardie/Schock: Hier wird es oft fein titriert (z.B. 10 Mikrogramm-weise) oder über einen Perfusor gegeben.

4. Kontraindikationen

In der Reanimation gibt es keine Kontraindikationen!

Bei Patienten mit vorhandenem Kreislauf (z.B. Anaphylaxie) muss man aber vorsichtig sein bei:

  • Schwerer Hypertonie (Blutdruckkrise).
  • Tachyarrhythmien (rasendes Herz).
  • Schwerer KHK (Gefahr eines Herzinfarkts durch extremen Sauerstoffbedarf).

5. Nebenwirkungen

  • Herzrasen (Tachykardie) und Herzrhythmusstörungen.
  • Massiver Blutdruckanstieg.
  • Angst, Unruhe, Zittern.
  • Angina Pectoris (Herzenge).

Zusammenfassung für die Ausbildung

AnwendungDosis (Erwachsener)Weg
Reanimation1 mgi.v. / i.o.
Anaphylaxie0,5 mg (entspricht 0,5 ml der 1:1000 Ampulle)i.m. (Oberschenkel)
Inhalation2 – 5 mgVernebler

Praxis-Tipp: In der Hektik einer Reanimation wird oft “1 Ampulle” gerufen. Aber Vorsicht: Es gibt Ampullen mit 1 mg/1 ml und solche mit 1 mg/10 ml (fertig aufgezogen). Check immer zweimal, welche Konzentration du in der Hand hast! Bei der Anaphylaxie ist der i.m.-Weg im Oberschenkel Goldstandard, weil er sicher ist und schnell wirkt, ohne das Herz zu überlasten.