Haloperidol gehört zur Gruppe der hochpotenten Neuroleptika. Es wirkt stark antipsychotisch, aber – und das ist wichtig – kaum beruhigend (sedierend) im Sinne eines Schlafmittels.
1. Wirkweise: Die Dopamin-Bremse
Bei Psychosen oder schweren Verwirrtheitszuständen geht man von einem Überangebot des Botenstoffs Dopamin in bestimmten Hirnarealen aus.
- Der Rezeptor: Haloperidol ist ein Antagonist am Dopamin-D2-Rezeptor.
- Der Mechanismus: Es blockiert diese Rezeptoren im mesolimbischen System des Gehirns.
- Der Effekt: Wahnvorstellungen, Halluzinationen und extreme Aggressivität lassen nach. Es “distanziert” den Patienten von seinem Erleben.
Wichtig für die Ausbildung: Da Haloperidol auch Dopamin-Rezeptoren im Bereich der Motorik blockiert, entstehen dort die typischen Nebenwirkungen (siehe unten).
2. Indikation: Wann ist es nötig?
- Akute Psychosen: Wenn der Patient Stimmen hört oder unter Verfolgungswahn leidet und dadurch eigen- oder fremdgefährdend wird.
- Delirante Zustände: Schwere Verwirrtheit, oft bei älteren Patienten oder im Alkoholentzug (hier oft in Kombination mit Benzodiazepinen).
- Extreme Erregungszustände: Wenn verbale Deeskalation und andere Mittel nicht mehr ausreichen.
3. Dosierung: Weniger ist oft mehr
Im Notfall wird Haloperidol meist intravenös oder intramuskulär gegeben.
- Standard-Dosis: Meist 2 mg bis 5 mg.
- Applikation: Langsam i.v. oder i.m..
- Wirkungseintritt: Bei i.v.-Gabe nach ca. 10 bis 20 Minuten, bei i.m.-Gabe etwas später. Haloperidol ist also kein Medikament für den sofortigen “Knock-out”.
4. Kontraindikationen: Die “No-Go-Areas”
- Morbus Parkinson: Da Parkinson-Patienten ohnehin zu wenig Dopamin haben, verschlimmert Haloperidol die Krankheit massiv (bis zur völligen Steifigkeit).
- Komatöse Zustände: Bei Bewusstlosigkeit gibt es keine Indikation.
- Bestimmte Herzrhythmusstörungen: Bekannte QT-Intervall-Verlängerungen im EKG.
- Schwere Depressionen: Hier kann Haloperidol die Symptomatik verschlechtern.
5. Nebenwirkungen: Die “EPS”
Das größte Problem bei Haloperidol sind die Extrapyramidalmotorischen Störungen (EPS):
- Frühdyskinesien: Unwillkürliche Bewegungen, Zungen-Schlund-Krämpfe oder ein “Blickkrampf” (Augen rollen unkontrolliert nach oben).
- QT-Zeit-Verlängerung: Kann zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen führen. Daher ist ein EKG-Monitoring bei i.v.-Gabe Pflicht!
- Akathisie: Eine quälende Sitzunruhe.
Zusammenfassung für die Ausbildung
| Merkmal | Details |
| Wirkstoffgruppe | Hochpotentes Neuroleptikum |
| Rezeptor | Dopamin-D2-Antagonist |
| Standard-Dosis | 2 mg – 5 mg (i.v. / i.m.) |
| Hauptwirkung | Antipsychotisch, Distanzierend |
| Gefahr | Motorische Störungen (EPS) & QT-Verlängerung |
Praxis-Tipp: Haloperidol macht den Patienten nicht sofort “schlafen”. Wenn ein Patient massiv tobt, kombinieren Notärzte es oft mit einem Benzodiazepin (z.B. Midazolam). Das Benzo macht müde und entspannt, während das Haloperidol die Psychose im Hintergrund “löscht”. Und ganz wichtig: Nach einer i.v.-Gabe von Haldol immer das EKG im Auge behalten!
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