Im Rettungsdienst nutzen wir meist das unfraktionierte Heparin (UFH), da es sich im Notfall besser steuern lässt und sofort wirkt.

1. Wirkweise: Der Turbo für den körpereigenen Hemmer

Heparin wirkt nicht direkt auf die Gerinnungsfaktoren, sondern braucht einen Partner im Blut: das Antithrombin III (AT III).

  • Der Mechanismus: Heparin bindet an Antithrombin III und verändert dessen Struktur so, dass AT III nun 1.000-mal schneller arbeiten kann.
  • Die Ziel-Faktoren: Dieser Komplex blockiert vor allem den Faktor IIa (Thrombin) und den Faktor Xa.
  • Der Effekt: Da Thrombin blockiert ist, kann kein Fibrin mehr gebildet werden. Ohne Fibrin gibt es kein stabiles Blutgerinnsel. Ein bestehendes Gerinnsel wird zwar nicht aufgelöst (das macht nur die Lyse), aber es wird am weiteren Wachsen gehindert.

2. Indikationen: Wann hemmen wir die Gerinnung?

  • Akutes Koronarsyndrom (ACS): In Kombination mit ASS, um den Thrombus im Herzkranzgefäß zu stoppen.
  • Lungenembolie (LAE): Um zu verhindern, dass das Gerinnsel in der Lunge größer wird.
  • Akuter peripherer Arterienverschluss: Wenn ein Bein oder Arm plötzlich kalt und weiß wird (Gefäßverschluss).

3. Dosierung: Weniger ist beim Herz oft mehr

Früher gab man pauschal hohe Dosen, heute ist man beim Herzinfarkt vorsichtiger, um das Blutungsrisiko (besonders für Hirnblutungen) zu minimieren.

  • ACS (Herzinfarkt): Meist 5.000 I.E. (Internationale Einheiten) i.v. als Bolus. Manche Leitlinien empfehlen auch eine gewichtsadaptierte Gabe von 60–70 I.E. pro kg Körpergewicht.
  • Lungenembolie: Hier werden oft höhere Dosen gegeben (z.B. 7.500 bis 10.000 I.E. i.v.), da die Thrombuslast meist größer ist.

4. Kontraindikationen: Wenn das Blut nicht fließen darf

  • Aktive schwere Blutungen: (Magen-Darm, Trauma).
  • Frische Operationen: Besonders am Gehirn oder Auge.
  • Schwere Gerinnungsstörungen: Oder ein massiver Mangel an Blutplättchen.
  • Verdacht auf Aortendissektion: Hier wäre eine Blutverdünnung lebensgefährlich.
  • Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT): Eine allergische Reaktion auf Heparin, die paradoxerweise zu Thrombosen führt.

5. Nebenwirkungen & Besonderheiten

  • Blutungsneigung: Blauere Flecken, Nasenbluten oder Einblutungen an der Einstichstelle.
  • Allergische Reaktionen.
  • Das Antidot: Falls man zu viel Heparin gegeben hat, kann man die Wirkung mit Protamin neutralisieren.

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeAntikoagulans (Gerinnungshemmer)
MechanismusVerstärkung von Antithrombin III
Ziel-FaktorenVor allem Thrombin (IIa) und Faktor Xa
Standard-Dosis ACS5.000 I.E. i.v.
AntidotProtamin

Praxis-Tipp: Achtet beim ACS genau auf eure SAA (Standardarbeitsanweisungen). Manche Ärztlichen Leiter verlangen 5.000 I.E. für jeden Patienten, andere wollen nur eine Gabe bei einem STEMI (großer Infarkt), nicht aber beim NSTEMI. Und denkt dran: Heparin ist kein “Rohrfrei” – es löst den Pfropfen nicht auf, es sorgt nur dafür, dass die “Baustelle” im Gefäß nicht noch größer wird!