Magnesiumsulfat
Magnesium ist ein lebenswichtiges Elektrolyt, das als natürlicher Gegenspieler (Antagonist) von Calcium fungiert. Es wirkt dämpfend auf die Erregungsleitung von Nerven und Muskeln.
1. Wirkweise: Der “Calcium-Stopper”
Um die Wirkung zu verstehen, muss man sich die Calcium-Kanäle an den Zellen ansehen. Calcium sorgt für Anspannung und Erregung.
- Der Mechanismus: Magnesium blockiert kompetitiv bestimmte Calcium-Kanäle und NMDA-Rezeptoren.
- Am Herzen: Es stabilisiert die Membranen der Herzzellen und verlangsamt die Reizleitung.
- An der Muskulatur: Es hemmt die Freisetzung von Acetylcholin an der motorischen Endplatte. Dadurch entspannt sich die glatte Muskulatur (z. B. in den Gefäßen oder Bronchien) und die Skelettmuskulatur.
- Im Gehirn: Es hebt die Krampfschwelle an und wirkt schützend auf Nervenzellen.
2. Indikationen: Wann wird es wichtig?
Magnesium hat drei große Einsatzgebiete im Rettungsdienst:
- Torsade-de-Pointes-Tachykardie: Eine spezielle Form von Herzkammerflimmern (Spindel-VT). Hier ist Magnesium das Medikament der Wahl!
- Eklampsie / Präeklampsie: Bei Schwangerschaftskrämpfen oder extremem Bluthochdruck in der Schwangerschaft zur Krampfprophylaxe.
- Schwerer Asthma-Anfall: Wenn Salbutamol und Co. nicht ausreichen, hilft Magnesium, die Bronchien zu entspannen.
3. Dosierung: Langsam und bedacht
Magnesium darf niemals zu schnell gespritzt werden, da es sonst zu massiven Kreislaufproblemen führt.
- Torsade-de-Pointes: 2 g (ca. 8 mmol) i.v. als Kurzinfusion oder langsamer Bolus.
- Eklampsie: Hier wird oft höher dosiert, meist 4 g i.v. über 15–20 Minuten (als Kurzinfusion).
- Asthma: Meist 2 g i.v. langsam über 20 Minuten.
4. Kontraindikationen: Wann passen wir auf?
- AV-Blockierungen: Da Magnesium die Leitung am Herzen bremst, kann es einen bestehenden Block verschlimmern.
- Myasthenia gravis: Eine Muskelerkrankung, die durch Magnesium lebensgefährlich verschlechtert werden kann.
- Nierenversagen: Da Magnesium über die Niere ausgeschieden wird, kann es hier schnell zu einer Überdosierung kommen.
- Hypotonie: Da es die Gefäße weitstellt, sinkt der Blutdruck.
5. Nebenwirkungen: Das “Wärme-Gefühl”
- Flush: Dem Patienten wird plötzlich sehr heiß, die Haut rötet sich.
- Blutdruckabfall (Hypotonie).
- Übelkeit und Erbrechen.
- Bradykardie: Der Puls wird langsamer.
- Atemdepression: Bei massiver Überdosierung (daher bei hoher Dosierung immer die Reflexe prüfen – fallen die Reflexe aus, ist zu viel Magnesium im Körper!).
Zusammenfassung für die Ausbildung
| Merkmal | Details |
| Wirkstoffgruppe | Elektrolyt / Calcium-Antagonist |
| Haupteinsatz | Torsade-de-Pointes, Eklampsie, Asthma |
| Standard-Dosis | 2 g bis 4 g i.v. (langsam!) |
| Warnzeichen | Reflexverlust (Patellarsehnenreflex) bei Überdosierung |
Praxis-Tipp: Magnesium ist bei der Eklampsie das “First-Line”-Mittel, noch vor den Benzodiazepinen! Wenn du Magnesium i.v. gibst, lass es am besten immer in einer Kurzinfusion (z.B. 100 ml NaCl) laufen, anstatt es pur zu spritzen. Das ist sicherer für den Kreislauf und für den Patienten deutlich angenehmer.
Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.