Metamizol gehört zur Gruppe der Nicht-Opioid-Analgetika (speziell zu den Pyrazolonen). Im Vergleich zu Ibuprofen oder Aspirin wirkt es kaum entzündungshemmend, dafür aber umso besser gegen Schmerzen und Krämpfe.

1. Wirkweise: Das Multitalent

Obwohl Metamizol schon lange genutzt wird, ist der Wirkmechanismus noch nicht zu 100 % geklärt. Man weiß aber, dass es an verschiedenen Stellen ansetzt:

  • Zentrale Wirkung: Es hemmt die Schmerzwahrnehmung im Gehirn und im Rückenmark (wahrscheinlich über das Endocannabinoid-System).
  • Periphere Wirkung: Es hemmt (schwächer als NSAR) die Prostaglandinsynthese.
  • Der Clou (Spasmolyse): Metamizol wirkt direkt entspannend auf die glatte Muskulatur. Das macht es zum Mittel der Wahl bei Koliken.
  • Temperatur: Es wirkt stark fiebersenkend (antipyretisch), indem es das Temperaturregulationszentrum im Hypothalamus beeinflusst.

2. Indikationen: Wann geben wir es?

  • Starke Schmerzen: Besonders bei traumatischen Verletzungen, wenn man (noch) kein Opiat geben möchte.
  • Koliken: Nieren- oder Gallenkoliken (oft in Kombination mit Buscopan).
  • Hohes Fieber: Wenn andere Maßnahmen oder Medikamente nicht ausreichen.
  • Tumorschmerzen: In der Palliativmedizin sehr verbreitet.

3. Dosierung: Langsamkeit rettet Leben

Metamizol ist berüchtigt für seine Wirkung auf den Blutdruck.

  • Standard-Dosis: 1 g bis 2,5 g i.v. (Meist entspricht eine Ampulle 1 g oder 2,5 g/5 ml).
  • Applikation: Als Kurzinfusion (z. B. in 100 ml NaCl) über 15–20 Minuten.
  • Wichtig: Eine schnelle i.v.-Gabe (Bolus) ist absolut verboten, da es zu einem massiven Blutdruckabfall führen kann.

4. Kontraindikationen: Die roten Flaggen

  • Hypotonie: Bei einem systolischen Blutdruck unter 100 mmHg sollte man extrem vorsichtig sein oder darauf verzichten.
  • Störungen der Blutbildung: Da Metamizol (sehr selten) das Knochenmark schädigen kann.
  • Asthma: Besonders das sogenannte “Analgetika-Asthma” (wie bei ASS).
  • Schwangerschaft / Stillzeit: Besonders im letzten Drittel (Gefahr des vorzeitigen Verschlusses des Ductus arteriosus beim Baby).
  • Bekannte Allergie: Gegen Pyrazolone.

5. Nebenwirkungen: Der “Schock”

  • Hypotension: Der typische Blutdruckabfall (Vaso-Vagale Reaktion).
  • Allergische Reaktionen: Von Hautausschlag bis zum anaphylaktischen Schock.
  • Agranulozytose: Eine extrem seltene, aber lebensgefährliche Zerstörung der weißen Blutkörperchen. Dies ist der Grund, warum das Medikament in vielen Ländern (z. B. USA, UK) verboten ist.

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeNicht-Opioid-Analgetikum / Pyrazolon
HaupteffekteAnalgetisch, Spasmolytisch, Antipyretisch
Standard-Dosis1 g – 2,5 g i.v.
GefahrBlutdruckabfall bei zu schneller Gabe
BesonderheitSuper bei Koliken durch krampflösende Wirkung

Praxis-Tipp: Wenn du Metamizol gibst, häng es immer als Kurzinfusion an und lass den Blutdruck-Monitor mitlaufen. Wenn der Patient sagt, ihm wird “schwummerig”, stell den Tropfen sofort langsamer. Metamizol ist ein fantastisches Medikament, aber es braucht Zeit, um sicher im Blut anzukommen!