Kategorie: Allgemein

Im Rettungsdienst werden verschiedene Medikamente eingesetzt, die für die Notfallversorgung von Patienten entscheidend sind.
Arten von Medikamenten
Notfallmedikamente: Diese Medikamente sind für akute Situationen gedacht, wie z.B. Adrenalin bei anaphylaktischen Reaktionen, Nitroglycerin bei Angina pectoris oder Morphin zur Schmerzbehandlung.
2
Medikamentenkarten: Es gibt spezielle Medikamentenkarten, die Notfallsanitäter bei der schnellen Identifikation und Anwendung von Medikamenten unterstützen. Diese Karten enthalten wichtige Informationen zu Indikationen, Dosierungen und Nebenwirkungen.
1
Verschreibungspflichtige Medikamente: Neben Notfallmedikamenten sind auch häufig verschriebene Medikamente für chronische Erkrankungen wie COPD, Herzinsuffizienz und Diabetes im Einsatz

Piritramid (Dipidolor)

Piritramid ist ein synthetisches Opioid. In der Hierarchie der Schmerzmittel steht es auf einer Stufe mit Morphin, hat aber ein paar entscheidende Vorteile im Rettungsalltag.

1. Wirkweise: Die sanfte Blockade

Wie alle Opioide setzt Dipi direkt im Gehirn und Rückenmark an.

  • Der Rezeptor: Es ist ein reiner Agonist an den My-Opioidrezeptoren.
  • Der Effekt: Es unterbricht die Schmerzweiterleitung und verändert die Schmerzverarbeitung.
  • Besonderheit: Im Vergleich zu Morphin wirkt Piritramid weniger stark auf den Blutdruck und löst seltener Übelkeit aus. Außerdem führt es zu einer weniger starken Sedierung – der Patient bleibt also „klarer“ im Kopf.

2. Indikationen: Wann nehmen wir Dipi?

  • Starke Schmerzen: Besonders bei Knochenbrüchen (Frakturen), Luxationen oder nach Operationen.
  • Traumatische Schmerzen: Es ist oft das Mittel der Wahl für den Transport, wenn der Kreislauf stabil bleiben soll.

3. Dosierung: Die „Dipi-Regel“

Piritramid ist etwa 0,7- bis 0,8-mal so stark wie Morphin. Das bedeutet, man braucht ein bisschen mehr Wirkstoff für den gleichen Effekt.

  • Standard-Ampulle: Meist 15 mg / 2 ml.
  • Verdünnung: Oft wird die Ampulle mit 13 ml NaCl auf 15 ml aufgezogen. Dann entspricht 1 ml = 1 mg.
  • Einzelschritt (Erwachsene): 3 mg bis 7,5 mg i.v. (langsam titriert).
  • Wirkbeginn: i.v. nach ca. 2 bis 5 Minuten (etwas schneller als Morphin).
  • Wirkdauer: Lange (ca. 4 bis 6 Stunden), was es super für lange Transportwege macht.

4. Kontraindikationen

  • Atemdepression: Wenn die Atmung bereits unzureichend ist.
  • Bewusstlosigkeit: Da die Beurteilung des Patienten erschwert wird.
  • Schwere Leber- oder Nierenschäden.
  • Bekannte Allergie gegen Piritramid.

5. Nebenwirkungen: Das „kleine“ Opioid-Paket

Obwohl es verträglicher ist als Morphin, bleiben die typischen Nebenwirkungen bestehen:

  • Atemdepression: Bei Überdosierung hört der Patient auf zu atmen.
  • Übelkeit und Erbrechen: Seltener als bei Morphin, aber immer noch möglich.
  • Miosis: Stecknadelpupillen.
  • Leichte Hypotonie: Der Blutdruck kann sinken.

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeSynthetisches Opioid
PotenzCa. 0,7-mal so stark wie Morphin
Standard-Dosis3 – 7,5 mg i.v. (titriert)
VorteilKreislaufstabiler und weniger Übelkeit als Morphin
AntidotNaloxon

Praxis-Tipp: Dipi ist im Rettungsdienst oft der „Liebling“, wenn es um Knochenbrüche geht. Es flutet etwas schneller an als Morphin, was den Patienten schneller Erleichterung bringt. Wichtig für die Dokumentation: Da es ein Betäubungsmittel (BtM) ist, muss jede verbrauchte Milligramm-Menge lückenlos im BtM-Buch dokumentiert werden!

Ibuprofen

Ibuprofen wirkt „tripel-A“: analgetisch (schmerzlindernd), antipyretisch (fiebersenkend) und antiphlogistisch (entzündungshemmend).

1. Wirkweise: Die Enzym-Blockade

Ibuprofen greift direkt in die Entzündungskaskade des Körpers ein.

  • Der Mechanismus: Es hemmt die Enzyme Cyclooxygenase-1 und -2 (COX-1 / COX-2).
  • Der Effekt: Diese Enzyme sind dafür zuständig, Arachidonsäure in Prostaglandine umzuwandeln. Prostaglandine sind Botenstoffe, die Schmerzsignale verstärken, Fieber auslösen und Entzündungen fördern.
  • Die Schattenseite: Da COX-1 auch für den Schutz der Magenschleimhaut und die Nierendurchblutung zuständig ist, führt die Blockade bei längerer Anwendung zu Problemen in diesen Organen.

2. Indikationen: Wann wird es eingesetzt?

  • Leichte bis mäßig starke Schmerzen: Besonders bei entzündlichen Prozessen (z. B. Gelenkschmerzen, Zahnschmerzen).
  • Fieber: Besonders bei Kindern ein Standardmittel.
  • Traumatische Schmerzen: Prellungen, Zerrungen oder einfache Frakturen.

3. Dosierung: Gewicht zählt

  • Erwachsene: Üblicherweise 400 mg bis 600 mg (oral). Die maximale Tagesdosis liegt für Selbstmedikation bei 1.200 mg, unter ärztlicher Aufsicht bei bis zu 2.400 mg.
  • Kinder: Hier wird streng nach Körpergewicht dosiert (meist 7,5 mg bis 10 mg/kg KG als Einzeldosis).
  • i.v.-Gabe: Es gibt Ibuprofen-Lösungen zur Infusion (z. B. 400 mg), diese müssen über ca. 30 Minuten laufen.

4. Kontraindikationen: Die “No-Go”-Liste

Da Ibuprofen die Blutgerinnung und den Magenschutz beeinflusst, gibt es klare Verbote:

  • Aktive Magen-Darm-Blutungen oder Magengeschwüre (Ulzera).
  • Schwere Niereninsuffizienz: Da Prostaglandine die Niere weitstellen; fehlt dieser Schutz, kann die Niere versagen.
  • Asthma bronchiale: Bekanntes “Analgetika-Asthma” (Gefahr eines Bronchospasmus).
  • Letztes Drittel der Schwangerschaft: Gefahr eines vorzeitigen Verschlusses des Ductus arteriosus beim Fötus.
  • Blutungsneigung: Oder vor anstehenden großen Operationen.

5. Nebenwirkungen

  • Magenbeschwerden: Sodbrennen, Übelkeit bis hin zur Magenperforation bei Dauereinnahme.
  • Nierenschädigung: Besonders bei Dehydration (wenn der Patient zu wenig getrunken hat).
  • Gerinnungshemmung: Die Thrombozytenaggregation wird reversibel gehemmt (weniger stark und kürzer als bei ASS).

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeNSAR (Säure-Analgetikum)
WirkweiseCOX-1 & COX-2 Hemmung
HaupteffektSchmerzlindernd, Fiebersenkend, Entzündungshemmend
Wichtigste GefahrMagenschleimhautschädigung & Nierenbelastung

Praxis-Tipp: Ibuprofen ist ein “Säure-Analgetikum”. Das bedeutet, es reichert sich besonders gut in entzündetem Gewebe an, da dort ein saures Milieu herrscht. Aber Achtung im Rettungsdienst: Hat dein Patient bereits Blutverdünner (wie Marcumar oder Xarelto) oder ist er dehydriert (Exsikkose), ist Ibuprofen eine schlechte Wahl. Hier greifen wir lieber zu Paracetamol.

Paracetamol

Paracetamol ist ein Nicht-Opioid-Analgetikum. Im Gegensatz zu Ibuprofen oder Aspirin gehört es jedoch nicht zur Gruppe der NSAR (Nicht-steroidale Antirheumatika), da es kaum entzündungshemmend wirkt.

1. Wirkweise: Das Rätsel im Kopf

Obwohl es seit Jahrzehnten genutzt wird, ist der Mechanismus immer noch nicht ganz geklärt. Man geht heute von folgendem aus:

  • Zentrale Wirkung: Paracetamol wirkt primär im Zentralnervensystem (Gehirn). Es hebt die Schmerzschwelle an, indem es wahrscheinlich eine spezielle Variante des Enzyms Cyclooxygenase (COX-3) hemmt.
  • Temperatur: Es wirkt stark fiebersenkend (antipyretisch) durch Beeinflussung des Temperaturregulationszentrums im Hypothalamus.
  • Peripherie: Im Gegensatz zu Ibuprofen wirkt es im Gewebe kaum entzündungshemmend. Das ist der Grund, warum es bei einer dicken Knieentzündung weniger hilft als bei Kopfschmerzen.

2. Indikationen: Wann nutzen wir es?

  • Leichte bis mäßig starke Schmerzen: Wenn Opioide noch nicht nötig sind.
  • Fieber: Wenn das Fieber den Kreislauf zu stark belastet.
  • Schon-Analgetikum: Es ist das Mittel der Wahl bei Patienten, die keine NSAR vertragen (z. B. bei Magengeschwüren oder Asthma).

3. Dosierung: Das 1-Gramm-Standardmaß

Im Rettungsdienst nutzen wir meist die Glasflaschen zur Infusion.

  • Standard-Dosis (Erwachsene ab 50 kg): 1.000 mg (1 g) i.v.
  • Applikation: Als Kurzinfusion über ca. 15 Minuten.
  • Maximaldosis: Beim gesunden Erwachsenen 4 g pro Tag. (Wichtig für die Anamnese: “Haben Sie heute schon Paracetamol-Tabletten genommen?”)
  • Kinder: Hier wird streng nach Gewicht dosiert (meist 15 mg/kg KG).

4. Kontraindikationen: Wenn die Leber streikt

  • Schwere Leberinsuffizienz: Da Paracetamol fast ausschließlich über die Leber abgebaut wird.
  • Schwere Niereninsuffizienz.
  • Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel: Eine seltene Erbkrankheit.

5. Nebenwirkungen & Die dunkle Seite

Paracetamol gilt als sehr sicher, aber es hat eine tückische Eigenschaft:

  • Lebertoxizität: Bei einer Überdosierung (schon ab ca. 6–7 g bei Erwachsenen) entstehen beim Abbau Giftstoffe, die die Leberzellen zerstören. Unbehandelt führt eine Paracetamol-Vergiftung zum Leberversagen.
  • Blutdruckabfall: Bei der i.v.-Gabe kann es (ähnlich wie bei Metamizol, aber seltener) zu einem leichten Blutdruckabfall kommen.
  • Allergien: Hautausschläge sind selten, aber möglich.

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeNicht-Opioid-Analgetikum
HaupteffekteSchmerzlindernd & stark fiebersenkend
Standard-Dosis1 g i.v. (über 15 Min.)
GefahrLeberversagen bei Überdosierung
VorteilSehr magenschonend, keine Hemmung der Blutgerinnung

Praxis-Tipp: Paracetamol ist das perfekte Medikament für “stabilere” Patienten mit moderaten Schmerzen. Aber Achtung: Es wirkt relativ langsam. Erwarte keinen “Wow-Effekt” nach zwei Minuten wie bei Fentanyl. Die volle Wirkung tritt meist erst nach 10–20 Minuten ein. Frag den Patienten immer explizit nach Kombi-Präparaten (wie Wick MediNait oder Grippostad), da diese oft viel Paracetamol enthalten und die Tageshöchstdosis schneller erreicht ist, als man denkt!

Vollelektrolytlösungen (VEL)

Handelsnamen wie Jonosteril, Sterofundin oder Ringer-Lactat/Acetat bezeichnen Lösungen, die in ihrer Zusammensetzung dem menschlichen Blutplasma nachempfunden sind.

1. Wirkweise: Physiologie aus der Flasche

Eine VEL ist eine isotone Lösung. Das bedeutet, ihr osmotischer Druck entspricht dem des Blutes.

  • Zusammensetzung: Sie enthalten nicht nur Natrium und Chlorid (wie die klassische NaCl 0,9 %), sondern auch Kalium, Calcium und Magnesium in körperähnlichen Konzentrationen.
  • Der Puffer: Moderne VEL (wie Sterofundin oder Jonosteril) enthalten zudem Acetat oder Malat. Diese Stoffe werden im Körper zu Bicarbonat verstoffwechselt und helfen, den Säure-Basen-Haushalt stabil zu halten (Pufferung gegen Azidose).
  • Verteilung: Das ist der wichtigste Punkt für die Prüfung: Eine VEL bleibt nicht im Gefäß! Nach ca. 20–30 Minuten sind nur noch etwa 20–25 % der Infusionsmenge in der Blutbahn. Der Rest verschwindet im Gewebe (Interstitium).

2. Indikationen: Wann hängen wir sie an?

  • Flüssigkeitsersatz: Bei Dehydration (Exsikkose), Erbrechen oder Durchfall.
  • Volumenersatz (initial): Bei Blutverlust oder Schock, um den Kreislauf kurzfristig zu stützen.
  • Offenhalten eines Zugangs: Damit die Vene nicht „zuklebt“ und wir jederzeit Medikamente geben können.
  • Trägerlösung: Zum Verdünnen von Medikamenten.

3. Die gängigen Varianten im Vergleich

LösungBesonderheit
Ringer-LaktatDer Klassiker. Enthält Laktat als Puffer (Vorsicht bei Leberversagen, da Laktat dort abgebaut wird).
Jonosteril / Sterofundin“Balancierte” Lösungen. Sie sind dem Plasma noch ähnlicher und nutzen Acetat/Malat als Puffer.
Isotone Kochsalz (NaCl 0,9 %)Keine VEL! Besteht nur aus Na und Cl. Kann bei großen Mengen zu einer Übersäuerung des Blutes führen (hyperchlorämische Azidose).

4. Dosierung: Mit Maß und Ziel

  • Basalbedarf: ca. 30 ml pro kg Körpergewicht über 24 Stunden.
  • Im Notfall (Schock): Initial meist ein Bolus von 250 ml bis 500 ml. Früher hat man “geflutet” (literweise rein), heute ist man vorsichtiger (Permissive Hypotension), besonders bei inneren Blutungen, um Gerinnsel nicht wegzuspülen.

5. Kontraindikationen & Risiken

  • Lungenödem / Herzinsuffizienz: Hier ist jede zusätzliche Flüssigkeit “Gift”, da das Herz die Last nicht bewältigen kann.
  • Ödeme: Bei massiven Wassereinlagerungen.
  • Schwere Niereninsuffizienz: Die Niere kann die Elektrolyte und das Wasser nicht mehr ausscheiden.

Zusammenfassung für die Ausbildung

  • Isoton: Gleicher Druck wie im Blut.
  • Balanciert: Enthält Puffer gegen Übersäuerung.
  • Kurzzeit-Effekt: Nur ein Bruchteil bleibt dauerhaft in den Gefäßen.

Praxis-Tipp: Warum ist NaCl 0,9 % eigentlich “out”? Weil es zu viel Chlorid enthält. Wenn du einem Patienten 2 Liter NaCl gibst, riskierst du eine sogenannte Azidose (Übersäuerung). Greif im Zweifel also immer zur balancierten VEL wie Sterofundin oder Jonosteril – dein Patient und seine Nieren werden es dir danken!

Glukoselösungen

Glukose ist ein Kohlenhydrat, das im Körper direkt in Energie umgewandelt wird. In der Notfallmedizin unterscheiden wir strikt zwischen Trägerlösungen und Therapeutika.

1. Wirkweise: Energie für die Zellen

Glukose wird unter dem Einfluss von Insulin in die Zellen transportiert. Das Gehirn ist hier eine Ausnahme: Es kann Glukose auch ohne Insulin aufnehmen, ist aber darauf angewiesen, dass der Spiegel im Blut konstant bleibt.

  • Effekt: Sofortige Anhebung des Blutzuckerspiegels.
  • Osmolarität: Je höher die Konzentration (G20, G40), desto „aggressiver“ ist die Lösung für die Venenwände, da sie dem Gewebe Wasser entzieht (hyperton).

2. Die verschiedenen Konzentrationen

G5 (5 %ige Glukoselösung)

  • Bedeutung: 5 g Glukose auf 100 ml Wasser.
  • Einsatz: Reine Trägerlösung. Sie wird genutzt, um Medikamente aufzulösen (z. B. Amiodaron), die sich mit Kochsalz nicht vertragen.
  • Wichtig: G5 ist kein Energielieferant für den Notfall! Sie ist fast isoton und dient nur dem Flüssigkeitsersatz oder als Träger.

G10 (10 %ige Glukoselösung)

  • Bedeutung: 10 g Glukose auf 100 ml Wasser.
  • Einsatz: Das Standard-Therapeutikum bei Hypoglykämie (Unterzuckerung) nach aktuellen Leitlinien.
  • Vorteil: Sie ist deutlich venenschonender als hochprozentige Lösungen und lässt sich besser titrieren (man schießt den Zuckerwert nicht so extrem über das Ziel hinaus).

G20 / G40 (20 %ige oder 40 %ige Glukoselösung)

  • Einsatz: Massive Hypoglykämie, wenn schnell viel Zucker benötigt wird.
  • Gefahr: Diese Lösungen sind extrem hyperton. Wenn sie ins Gewebe laufen (Paravasat), drohen schwere Nekrosen (Absterben von Gewebe).
  • Praxis-Tipp: G40 sollte im Rettungsdienst immer mit mindestens der gleichen Menge NaCl verdünnt oder über eine sehr große, sicher liegende Vene gegeben werden.

3. Indikationen: Wann geben wir Zucker?

  • Hypoglykämie: Blutzucker (BZ) meist < 60 mg/dl (3,3 mmol/l) mit Symptomen wie Bewusstseinstrübung, Krampfanfall oder Aggressivität.
  • Differentialdiagnose: Jeder bewusstlose Patient bekommt eine BZ-Messung!

4. Dosierung: „Titrieren bis zum Erwachen“

Das Ziel ist nicht ein perfekter Wert, sondern dass der Patient wieder wach und ansprechbar wird.

  • Standard (Erwachsene):8 g bis 10 g Glukose i.v.
    • Das entspricht ca. 100 ml G10 oder 25 ml G40.
  • Vorgehen: Langsam spritzen, kurz warten, Patient ansprechen. Wenn er noch nicht wach ist, weitere 5–10 g geben.
  • Kinder: Hier ist man extrem vorsichtig und nutzt meist nur G10 (Dosierung: ca. 2 ml/kg KG).

5. Kontraindikationen & Gefahren

  • Ischämischer Schlaganfall: Wenn der BZ normal ist, darf keine Glukose gegeben werden, da dies das Hirnödem und den Schaden vergrößern kann.
  • Fehlender Venenzugang: Glukose darf niemals i.m. oder s.c. gespritzt werden (Nekrosengefahr!).
  • Unklarer Sitz der Kanüle: Bei geringstem Zweifel (Schwellung an der Einstichstelle) sofort stoppen!

Zusammenfassung für die Ausbildung

LösungGlukosegehaltHauptanwendung
G55 g / 100 mlTrägerlösung für Medikamente
G1010 g / 100 mlStandard bei Unterzuckerung (sicherer)
G20/G4020-40 g / 100 mlHochkonzentriert (Venenreizend!)

Praxis-Tipp: Wenn ein Diabetiker nach der Glukosegabe wieder wach wird, reicht das nicht aus! Er muss danach komplexe Kohlenhydrate essen (z. B. eine Scheibe Brot), da der gespritzte Zucker schnell verbraucht ist und der Patient sonst wieder in den Unterzucker rutscht. Und: Wer Glukose spritzt, muss sich zu 100 % sicher sein, dass die Kanüle in der Vene liegt – spül vorher großzügig mit NaCl vor!

Ranitidin

Ranitidin gehört zur Gruppe der H2-Rezeptor-Antagonisten (H2-Blocker). Es wurde früher standardmäßig bei zwei völlig unterschiedlichen Problemen eingesetzt: Magensäure-Problemen und schweren allergischen Reaktionen.

1. Wirkweise: Die Blockade der Histamin-Nebenstelle

Histamin wirkt im Körper an verschiedenen Rezeptoren. Während die H1-Rezeptoren eher für Juckreiz und Schwellungen zuständig sind, finden wir H2-Rezeptoren vor allem im Magen und an den Gefäßen.

  • Der Mechanismus: Ranitidin besetzt kompetitiv die H2-Rezeptoren.
  • Im Magen: Es blockiert die Wirkung von Histamin auf die Belegzellen. Dadurch wird die Produktion von Magensäure massiv gedrosselt.
  • Bei Allergien: Es blockiert die H2-Rezeptoren an den Blutgefäßen. In Kombination mit einem H1-Blocker (wie Fenistil) sorgt es dafür, dass das bei einer Anaphylaxie ausgeschüttete Histamin “keinen Platz” mehr findet, um die Gefäße weit zu stellen (was zum Blutdruckabfall führt).

2. Indikationen: Gestern vs. Heute

Hier musst du für deinen Blog und die Ausbildung besonders aufpassen:

  • Früher (Standard): Fester Bestandteil des Anaphylaxie-Algorithmus (Kombination aus H1-Blocker + H2-Blocker + Cortison).
  • Heute (Rettungsdienst): Ranitidin wird im Rettungsdienst kaum noch eingesetzt. In den aktuellen Leitlinien zur Anaphylaxie spielt es nur noch eine untergeordnete Rolle, da der Fokus auf Adrenalin liegt.
  • Klinik: Behandlung von Sodbrennen, Gastritis oder zur Prophylaxe von Stressulzera (Magengeschwüren).

3. Dosierung: Der Standardwert

Wenn es noch in den SAA deines Bereiches vorkommt, ist die Dosierung meist:

  • Erwachsene: 50 mg i.v. (entspricht meist einer Ampulle).
  • Applikation: Langsam i.v. spritzen (über ca. 2 Minuten).

4. Warum man es kaum noch sieht (Der “Skandal”)

In deinem Blog solltest du erwähnen, warum Ranitidin fast überall von den Autos verschwunden ist:

Im Jahr 2019/2020 gab es einen weltweiten Rückruf vieler Ranitidin-Präparate. Es wurden Verunreinigungen mit NDMA (einem potenziell krebserregenden Stoff) gefunden, die herstellungsbedingt waren. Seitdem ist das Vertrauen in den Wirkstoff gesunken, und viele Rettungsdienste haben die H2-Blocker komplett aus den Protokollen gestrichen.


5. Nebenwirkungen

  • Bradykardie: Bei zu schneller i.v.-Gabe kann der Herzschlag kurzzeitig absinken.
  • Verwirrtheit: Besonders bei älteren Patienten (selten bei Einmalgabe).
  • Kopfschmerzen und Schwindel.

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeH2-Rezeptor-Antagonist
HauptwirkungHemmung der Magensäure & Schutz der Gefäße bei Allergie
Status im RDStark rückläufig / oft durch H1-Blocker allein ersetzt
Wichtigster FaktTeil der “klassischen” Anaphylaxie-Therapie

Praxis-Tipp: Wenn du über Anaphylaxie schreibst, betone, dass Adrenalin i.m. das wichtigste Medikament ist. Ranitidin und andere Antihistaminika sind “Nice-to-have”, um Symptome wie Quaddeln und Juckreiz zu lindern, aber sie retten dem Patienten im Schock nicht das Leben!

Prednisolon

Prednisolon ist ein synthetisches Glukokortikoid (Cortison). Es ahmt die Wirkung des körpereigenen Stresshormons Cortisol nach, wirkt aber deutlich stärker entzündungshemmend.

1. Wirkweise: Der genetische Schalter

Cortison wirkt nicht wie Adrenalin in Sekunden, da es einen komplexen Weg über den Zellkern nimmt.

  • Der Mechanismus: Prednisolon bindet an Rezeptoren im Zellinneren. Dieser Komplex wandert in den Zellkern und beeinflusst dort die Proteinsynthese.
  • Der Effekt: * Es hemmt die Bildung von Botenstoffen, die Entzündungen fördern (Zytokine, Prostaglandine).
    • Es stabilisiert die Membranen von Mastzellen, sodass weniger Histamin ausgeschüttet wird.
    • Es führt zu einer Abschwellung der Schleimhäute und senkt die Durchlässigkeit der Gefäße (Kapillarpermeabilität).
  • Wirkbeginn: Das ist wichtig für die Prüfung! Da erst Eiweiße umgebaut werden müssen, tritt die volle Wirkung erst nach 20 bis 30 Minuten ein.

2. Indikationen: Wann löschen wir?

  • Anaphylaxie (Allergischer Schock): Als fester Bestandteil des Algorithmus (nach Adrenalin und Antihistaminika), um die Zweitphasenreaktion zu verhindern.
  • Schweres Asthma bronchiale / COPD: Zur Abschwellung der Bronchialschleimhaut.
  • Pseudokrupp: Bei Kindern mit bellendem Husten und Atemnot (meist als Rektalkapsel/Zäpfchen).
  • Hirnödem: Zur Senkung des Drucks bei Tumoren oder Entzündungen (hier oft höhere Dosen).

3. Dosierung: „Klotzen, nicht kleckern“

Im Notfall wird Prednisolon hochdosiert eingesetzt. Eine kurzzeitige Hochdosis-Therapie hat kaum Nebenwirkungen.

  • Anaphylaxie / Asthma: 250 mg bis 500 mg i.v. beim Erwachsenen.
  • Pseudokrupp (Kinder): Meist 100 mg (als Rectodelt-Zäpfchen).
  • Leichte allergische Reaktionen: 50 mg bis 100 mg i.v.

4. Kontraindikationen: Im Notfall keine!

Da wir Prednisolon im Rettungsdienst meist nur ein einziges Mal (Einmaldosis) geben, gibt es keine absoluten Kontraindikationen bei vitaler Indikation.

Vorsicht ist nur bei Langzeitanwendung geboten (Magengeschwüre, Osteoporose, Infektanfälligkeit). Bei Diabetikern muss man wissen, dass der Blutzucker stark ansteigen kann.


5. Nebenwirkungen (bei Einmalgabe)

  • Blutzuckeranstieg: Vor allem für Diabetiker relevant.
  • Blutdruckanstieg: Meist geringfügig.
  • Magenbeschwerden: Bei empfindlichen Patienten (sehr selten bei Einmalgabe).
  • Psychische Veränderungen: Unruhe oder Euphorie (selten).

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeGlukokortikoid (Cortison)
HaupteffektEntzündungshemmend, Abschwellend, Immunsuppressiv
Wirkbeginnca. 20 – 30 Minuten (kein Sofortmittel!)
Standard-Dosis250 – 500 mg i.v. (Notfall)
BesonderheitStabilisiert Mastzellen und Gefäßwände

Praxis-Tipp: Merk dir für die Prüfung: Cortison rettet den Patienten nicht vor dem unmittelbaren Erstickungstod bei Anaphylaxie! Das macht das Adrenalin. Das Cortison ist für die “Spätphase” zuständig, damit der Patient nicht zwei Stunden später eine zweite allergische Welle bekommt. Wer beim anaphylaktischen Schock zuerst zum Cortison greift und das Adrenalin vergisst, begeht einen kritischen Fehler.

Glyceroltrinitrat

Glyceroltrinitrat gehört zur Gruppe der Nitrate. Es ist ein sogenanntes Pro-Drug, das im Körper erst zu seinem eigentlichen Wirkstoff umgewandelt werden muss.

1. Wirkweise: Der NO-Spender

Nitrate wirken direkt an der glatten Muskulatur der Blutgefäße.

  • Der Mechanismus: Im Körper wird aus Nitrospray Stickstoffmonoxid (NO) freigesetzt. NO aktiviert ein Enzym (Guanylatzyklase), das dafür sorgt, dass die Muskelzellen in den Gefäßwänden erschlaffen.
  • Der Effekt (Vorlastsenkung): Zuerst weiten sich die Venen. Dadurch fließt weniger Blut zum Herzen zurück. Das Herz muss weniger arbeiten und braucht weniger Sauerstoff.
  • Der Effekt (Nachlastsenkung): In höheren Dosen weiten sich auch die Arterien. Der Widerstand, gegen den das Herz pumpen muss, sinkt.
  • Koronardilatation: Auch die Herzkranzgefäße selbst werden weitgestellt, was die Durchblutung des Herzmuskels verbessert.

2. Indikationen: Wann wird gesprüht?

  • Angina Pectoris: Akuter Brustschmerz durch Sauerstoffmangel am Herzen.
  • Akutes Koronarsyndrom (ACS): Zur Schmerzlinderung und Entlastung.
  • Linksherzinsuffizienz / Lungenödem: Um das „gestaute“ Blut in den weitgestellten Venen zwischenzuparken und die Lunge zu entlasten.

3. Dosierung: Ein Hub zur Probe

  • Standard-Dosis: 1 bis 2 Hübe (0,4 mg bis 0,8 mg) sublingual (unter die Zunge).
  • Voraussetzung: Der Patient muss sitzen oder liegen, da der Blutdruck absacken kann.
  • Wirkbeginn: Sehr schnell (innerhalb von 1–3 Minuten).
  • Wiederholung: Bei ausbleibender Wirkung nach 5 Minuten wiederholbar, sofern der Blutdruck stabil bleibt.

4. Kontraindikationen: Die „Todesfalle“

Hier musst du in der Prüfung absolut sattelfest sein. Nitrospray hat gefährliche Ausschlusskriterien:

  • Niedriger Blutdruck: Meist gilt ein Grenzwert von systolisch < 100 mmHg (manche Leitlinien sagen < 110 oder 120 mmHg).
  • PDE-5-Hemmer (Potenzmittel): Hat der Patient in den letzten 24–48 Stunden Mittel wie Viagra, Cialis oder Levitra genommen? Wenn ja: Absolutes Verbot! Die Kombination führt zu einem unkontrollierbaren, oft tödlichen Blutdruckabfall.
  • Rechtsherzinfarkt: Wenn die rechte Herzkammer betroffen ist, ist sie auf den Vorlauf angewiesen. Nimmst du ihr durch Nitro das Blut weg, bricht der Kreislauf zusammen.
  • Aortenstenose / Hypertrophe Kardiomyopathie: Hier kann der Blutdruckabfall zum Kreislaufstillstand führen.

5. Nebenwirkungen

  • Kopfschmerzen: „Nitro-Kopfschmerz“ durch die Weitung der Gefäße im Kopf (sehr häufig).
  • Blutdruckabfall: Bis hin zum Synkope (Ohnmacht).
  • Reflextachykardie: Das Herz schlägt schneller, um den fallenden Druck auszugleichen.
  • Flush: Rötung des Gesichts.

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeNitrate (Vasodilatanzien)
HaupteffektVorlastsenkung (venöses Pooling)
Standard-Dosis1 – 2 Hübe s.l.
Wichtigste FrageBlutdruck? Potenzmittel?

Praxis-Tipp: Bevor du Nitro sprühst, muss immer eine Blutdruckmessung und im Idealfall ein 12-Kanal-EKG erfolgt sein. Ohne EKG weißt du nicht, ob es ein Rechtsherzinfarkt ist. Und ein kleiner Trick: Frag männliche Patienten diskret nach Potenzmitteln, z.B.: “Nehmen Sie Medikamente für das Herz oder urologische Mittel wie Viagra?” Viele sagen es nicht von sich aus, aber es kann über Leben und Tod entscheiden.

Urapidil

Urapidil ist ein Hybrid-Antihypertonikum. Das Besondere: Es wirkt sowohl an den Gefäßen (peripher) als auch im Gehirn (zentral).

1. Wirkweise: Die Doppel-Strategie

Urapidil greift an zwei verschiedenen Punkten an, um den Blutdruck zu senken:

  • Peripher (an den Gefäßen): Es blockiert die Alpha-1-Adrenozeptoren in der glatten Muskulatur der Gefäße. Normalerweise sorgt Adrenalin hier für Engstellung. Durch die Blockade weiten sich die Gefäße, und der Widerstand sinkt.
  • Zentral (im Gehirn): Es stimuliert die 5-HT1A-Rezeptoren im Kreislaufzentrum des Hirnstamms. Dies verhindert, dass der Körper mit einem reflektorischen Herzjagen (Tachykardie) auf den sinkenden Blutdruck reagiert.
  • Der Effekt: Der Blutdruck sinkt, aber die Herzfrequenz bleibt meist stabil. Das Herz muss weniger Arbeit gegen den hohen Widerstand leisten.

2. Indikationen: Der hypertensive Notfall

  • Hypertensive Krise / Notfall: Wenn der Blutdruck (meist > 200/120 mmHg) gesenkt werden muss, weil Organschäden drohen (z. B. bei Lungenödem, Schlaganfall oder schwerer Enzephalopathie).
  • Kontrollierte Blutdrucksenkung: Wenn ein langsames, stufenweises Absinken wichtig ist.

3. Dosierung: Die 5-mg-Schritte

Urapidil sollte niemals als “Schuss” gegeben werden. Wir tasten uns vorsichtig heran.

  • Standard-Vorgehen: Eine Ampulle enthält meist 25 mg / 5 ml oder 50 mg / 10 ml.
  • Einzelschritte: Man gibt 5 mg bis 12,5 mg i.v. als langsamen Bolus (über ca. 2 Minuten).
  • Warten: Man wartet 2–5 Minuten ab, um die Wirkung zu beurteilen, bevor man nachdosiert.
  • Ziel: Senkung des Blutdrucks um maximal 20–25 % des Ausgangswertes (nicht direkt auf 120/80!).

4. Kontraindikationen: Hier ist es gefährlich

  • Aortenstenose: Wie bei allen Gefäßweiterstellern droht hier ein Kreislaufkollaps.
  • Aorten-Isthmusstenose: Eine seltene Verengung der Hauptschlagader.
  • Schwangerschaft / Stillzeit: Nur bei strengster Indikation.

5. Nebenwirkungen

  • Zu schneller Blutdruckabfall: Kann zu Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen führen.
  • Bradykardie: Selten kann der Puls doch absinken.
  • Herzklopfen und Angina Pectoris-Beschwerden.
  • Schweißausbrüche.

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeAlpha-1-Blocker (mit zentraler Wirkung)
AngriffspunktePeripher (Alpha-1) & Zentral (5-HT1A)
Standard-Dosis5 – 12,5 mg i.v. (langsam titriert)
VorteilKeine Reflextachykardie (Puls bleibt stabil)

Praxis-Tipp: Urapidil ist die “sanfte Gewalt”. Es ist viel sicherer als die Zerbeißkapsel (Nitrendipin), weil du die Gabe sofort stoppen kannst, wenn der Druck zu schnell fällt. Denk aber dran: Ein extrem hoher Blutdruck ist oft eine Schutzreaktion des Körpers (z. B. beim Schlaganfall, um das Gehirn noch zu durchbluten). Senk den Druck also nie blindlings, sondern nur, wenn der Patient wirklich Symptome hat!

Salbutamol

Salbutamol ist ein kurzwirksames Beta-2-Sympathomimetikum (SABA).1 Es wirkt wie ein gezielter Adrenalin-Kick für die Lunge.

1. Wirkweise: Das „Gaspedal“ für die Bronchien

In den Bronchien befinden sich Rezeptoren des Sympathikus (unseres Stress-Systems).

  • Der Rezeptor: Salbutamol stimuliert hochselektiv die Beta-2-Adrenozeptoren.2
  • Der Mechanismus: Durch die Bindung entspannt sich die glatte Muskulatur, die die Bronchien umschließt.
  • Der Effekt: Die Bronchialwege weiten sich (Bronchodilatation).3 Der Patient bekommt sofort besser Luft, das typische Giemen (Pfeifen beim Ausatmen) lässt nach.
  • Zusatz-Effekt: Es steigert das Schlagen der Flimmerhärchen, wodurch zäher Schleim besser abtransportiert werden kann.

2. Indikationen: Wann wird inhaliert?

  • Asthma bronchiale: Akute Atemnot und Bronchospasmus.4
  • COPD: Bei akuter Verschlechterung (Exazerbation).5
  • Anaphylaxie: Wenn die unteren Atemwege beteiligt sind (Giemen/Brummen).
  • Rauchgasintoxikation: Zur Vorbeugung und Behandlung von Bronchospasmen nach Einatmen von Reizgasen.

3. Dosierung: Inhalation vs. Injektion

Im Rettungsdienst ist die Inhalation der Goldstandard, da der Wirkstoff direkt dorthin kommt, wo er gebraucht wird.

  • Inhalation (Vernebler): Meist 1,25 mg bis 2,5 mg (oft als Fertig-Inhalat wie “Sultanol Fertig-Inhalat”). Dies wird mit 2–3 ml NaCl im Vernebler mit 6–8 Litern Sauerstoff pro Minute verabreicht.
  • Dosieraerosol: 1–2 Hübe (oft über eine Inhalationshilfe/Spacer).
  • Intravenös (Selten): Nur in extremen Notfällen, wenn die Inhalation nicht möglich ist (Dosierung analog zu Reproterol, sehr vorsichtig!).

4. Kontraindikationen: Hier ist Vorsicht geboten

  • Frischer Herzinfarkt: Wegen der möglichen Steigerung der Herzfrequenz.
  • Schwere Tachykardie: Wenn der Patient bereits einen Puls von 150 hat, kann Salbutamol diesen weiter in gefährliche Höhen treiben.
  • Überempfindlichkeit: Bekannte Allergie gegen den Wirkstoff.
  • Tachyarrhythmien: Besonders bei Vorhofflimmern mit hoher Frequenz.

5. Nebenwirkungen: Der “Zitter-Effekt”

Da Salbutamol auch Beta-Rezeptoren am Herzen und im Muskelgewebe stimulieren kann (vor allem in hohen Dosen), kommt es zu:

  • Tachykardie: Der Puls steigt an.6
  • Tremor: Feines Zittern der Hände (sehr typisch, oft beängstigend für Patienten).7
  • Palpitationen: Herzklopfen.8
  • Hypokaliämie: Salbutamol treibt Kalium in die Zellen (kann bei Überdosierung zu Herzrhythmusstörungen führen).

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeBeta-2-Sympathomimetikum
HauptwirkungBronchospasmolyse (Weitung der Atemwege)
Standard-Dosis1,25 mg – 2,5 mg (inhalativ)
WirkbeginnNach ca. 30–60 Sekunden
GefahrPulsanstieg und Kaliumabfall im Blut

Praxis-Tipp: Wenn du Salbutamol vernebelst, achte darauf, dass der Patient ruhig und tief einatmet. Viele Patienten in Atemnot atmen flach und schnell. Leite sie an: “Tief durch die Maske einatmen, kurz die Luft anhalten, langsam ausatmen.” So kommt der Wirkstoff auch in den kleinen Bronchien an und verpufft nicht nur im Mundraum.