Kategorie: Allgemein

Im Rettungsdienst werden verschiedene Medikamente eingesetzt, die für die Notfallversorgung von Patienten entscheidend sind.
Arten von Medikamenten
Notfallmedikamente: Diese Medikamente sind für akute Situationen gedacht, wie z.B. Adrenalin bei anaphylaktischen Reaktionen, Nitroglycerin bei Angina pectoris oder Morphin zur Schmerzbehandlung.
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Medikamentenkarten: Es gibt spezielle Medikamentenkarten, die Notfallsanitäter bei der schnellen Identifikation und Anwendung von Medikamenten unterstützen. Diese Karten enthalten wichtige Informationen zu Indikationen, Dosierungen und Nebenwirkungen.
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Verschreibungspflichtige Medikamente: Neben Notfallmedikamenten sind auch häufig verschriebene Medikamente für chronische Erkrankungen wie COPD, Herzinsuffizienz und Diabetes im Einsatz

Etomidat

Etomidat ist ein reines Hypnotikum (Schlafmittel). Es hat eine Besonderheit, die es für kritisch kranke Patienten so wertvoll macht: Es ist extrem kreislaufstabil.

Wichtiger Hinweis für die Ausbildung:

Die Durchführung einer Narkose (Einleitung, Intubation und Aufrechterhaltung) ist keine Standardmaßnahme für den Notfallsanitäter im Rahmen der Eigenverantwortung. Es handelt sich um einen hochkomplexen ärztlichen Eingriff. Als Notfallsanitäter musst du das Medikament jedoch perfekt kennen, um die Assistenz bei der Narkoseeinleitung (RSI) sicher durchzuführen und die Nebenwirkungen zu überwachen.

1. Wirkweise: Der sanfte Schlaf

Etomidat wirkt im Zentralnervensystem und sorgt für einen schnellen Bewusstseinsverlust.

  • Der Rezeptor: Es verstärkt die Wirkung von GABA (Gamma-Aminobuttersäure) an den GABA-A-Rezeptoren. GABA ist der wichtigste Hemmstoff im Gehirn.
  • Der Effekt: Durch die Verstärkung der Hemmung schaltet das Bewusstsein innerhalb von Sekunden ab.
  • Der Clou: Im Gegensatz zu fast allen anderen Schlafmitteln (wie Propofol) beeinflusst Etomidat das Herz-Kreislauf-System und das vegetative Nervensystem kaum. Der Blutdruck bleibt stabil.

2. Indikation: Wann wird es vorbereitet?

  • Narkoseeinleitung: Besonders bei Patienten mit instabilem Kreislauf, Schock oder schwerer Herzinsuffizienz, bei denen ein Blutdruckabfall lebensgefährlich wäre.

3. Dosierung: Einmal einschlafen bitte

  • Standard-Dosis: 0,15 mg bis 0,3 mg pro kg Körpergewicht i.v.
  • Wirkungseintritt: Innerhalb von 30 bis 60 Sekunden.
  • Wirkdauer: Sehr kurz (ca. 3 bis 5 Minuten).

4. Kontraindikationen: Hier darf es nicht rein

  • Bekannte Allergie gegen Etomidat oder Sojaöl (viele Zubereitungen enthalten Fettemulsionen).
  • Säuglinge unter 6 Monaten: Hier ist die Anwendung kontraindiziert.
  • Sepsis (relativ): Wegen der Unterdrückung der Nebennierenrinde (siehe Nebenwirkungen) ist man bei septischen Patienten heute vorsichtiger geworden.

5. Nebenwirkungen: Die Schattenseiten

Obwohl es den Blutdruck schont, hat Etomidat spezifische Probleme:

  • Myoklonien: Unwillkürliche Muskelzuckungen während des Einschlafens. Das sieht oft wie ein Krampfanfall aus, ist aber eine typische Nebenwirkung.
  • Injektionsschmerz: Das Spritzen in kleine Venen kann brennen.
  • Suppression der Nebennierenrinde: Etomidat hemmt ein Enzym (11-beta-Hydroxylase), das für die Produktion von Cortisol wichtig ist. Schon eine Einmaldosis kann die Stressantwort des Körpers für Stunden drosseln.
  • Übelkeit und Erbrechen: Nach dem Aufwachen kommt es unter Etomidat häufiger zu Übelkeit als bei anderen Mitteln.

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeHypnotikum (Schlafmittel)
RezeptorGABA-A-Rezeptor-Modulator
Standard-Dosis0,3 mg/kg i.v.
Herausragende EigenschaftHohe hämodynamische Stabilität (schont den Blutdruck)
Wichtigste RegelKeine Analgesie! (Etomidat nimmt keinen Schmerz)

Praxis-Tipp: Denk immer daran: Etomidat macht nur schlafen, es schaltet den Schmerz nicht aus. Eine Narkoseeinleitung mit Etomidat erfordert also zwingend die zusätzliche Gabe eines starken Schmerzmittels (z.B. Fentanyl). Ohne Schmerzmittel würde der Blutdruck beim Einführen des Laryngoskops trotz Etomidat durch die Decke schießen!

Esketamin

Esketamin ist das S-Enantiomer des Ketamins. Das bedeutet für dich in der Praxis: Es wirkt etwa doppelt so stark wie das herkömmliche Ketamin, weshalb du bei der Dosierung höllisch aufpassen musst.

1. Wirkweise: Die Dissoziative Anästhesie

Esketamin ist ein absoluter Exot unter den Narkosemitteln. Es erzeugt eine sogenannte dissoziative Anästhesie.

  • Der Rezeptor: Esketamin ist ein Antagonist am NMDA-Rezeptor (im Gehirn und Rückenmark).
  • Der Effekt: Es trennt die Kommunikation zwischen dem limbischen System (wo Gefühle entstehen) und dem Thalamus (dem „Tor zum Bewusstsein“).
  • Das Ergebnis: Der Patient ist zwar nicht im klassischen Sinne „tief bewusstlos“ wie bei anderen Narkotika, aber er ist schmerzfrei (Analgesie) und bekommt nichts von seiner Umwelt mit (Amnesie). Die Schutzreflexe (Schlucken, Husten) bleiben meist erhalten.

2. Indikationen: Wann nutzen wir es?

Esketamin ist die Wunderwaffe, wenn der Blutdruck instabil ist:

  • Stärkste Schmerzzustände: Besonders bei traumatischen Schmerzen (Frakturen, Einklemmungen).
  • Narkoseeinleitung: Vor allem beim Schock-Patienten oder beim Asthmatiker, da es den Blutdruck stützt und die Bronchien weitet.
  • Status Asthmaticus: Als Reservemittel, wenn nichts anderes mehr hilft.

3. Dosierung: Weniger ist mehr

Da Esketamin doppelt so stark wirkt wie Ketamin, sind die Dosierungen entsprechend niedrig:

  • Analgesie (Schmerzbekämpfung): 0,125 mg i.v.
  • Narkose (Einleitung): 0,5 mg bis 1,0 mg pro kg Körpergewicht i.v.
  • Anwendungshinweis: Immer langsam spritzen! Eine Kombination mit einem Benzodiazepin (z.B. Midazolam) ist fast immer Pflicht, um die “Horrortrips” zu vermeiden.

4. Kontraindikationen: Hier ist Vorsicht geboten

Esketamin treibt den Sympathikus an, was in manchen Fällen gefährlich ist:

  • Schwerer Bluthochdruck (Hypertonie): Wenn der Druck eh schon bei 200 liegt.
  • Akutes Koronarsyndrom (ACS) / Herzinfarkt: Durch den Anstieg von Puls und Blutdruck braucht das Herz mehr Sauerstoff – das kann den Infarkt verschlimmern.
  • Präeklampsie / Eklampsie: Gefährlich bei Schwangerschaftshochdruck.
  • Schädel-Hirn-Trauma (SHT): Früher war man sehr vorsichtig wegen des Hirndrucks; heute sieht man das lockerer, solange der Patient beatmet wird. Dennoch: Vorsicht bei instabilem Hirndruck.

5. Nebenwirkungen: Der “Horrortrip”

  • Psychomimetische Reaktionen: Halluzinationen, Albträume und Angstzustände beim Aufwachen. Deshalb: Midazolam dazugeben!
  • Hypersalivation: Der Patient produziert massiv Speichel (Gefahr der Aspiration).
  • Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz.
  • Laryngospasmus: Bei schneller Gabe kann sich der Kehlkopf verkrampfen (selten, aber gefährlich).

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeDissoziatives Anästhetikum / Analgetikum
RezeptorNMDA-Rezeptor-Antagonist
Dosierung Analgesie0,125 – 0,25 mg/kg i.v.
BesonderheitBlutdrucksteigernd und bronchodilatierend

Praxis-Tipp: Merk dir die “Keta-Mida-Kombi”. Esketamin macht die Schmerzfreiheit, Midazolam macht die “schönen Träume”. Wer Esketamin ohne ein Benzodiazepin spritzt, riskiert, dass der Patient den Einsatz in schrecklicher Erinnerung behält.

Adrenalin (Epinephrin)

Adrenalin ist ein körpereigenes Hormon und ein direkter Botenstoff des Sympathikus. Im Notfall ist es unsere Allzweckwaffe, weil es das Herz-Kreislauf-System massiv ankurbelt.

1. Wirkweise: Der totale Sympathikus-Kick

Adrenalin ist ein direktes Sympathomimetikum. Es wirkt auf fast alle Rezeptoren des Sympathikus (Alpha und Beta). Je nach Dosis stehen unterschiedliche Effekte im Vordergrund:

  • Alpha-1-Rezeptoren: Bewirkt eine starke Verengung der Blutgefäße (Vasokonstriktion). Der Blutdruck steigt massiv an und die Schleimhäute schwellen ab.
  • Beta-1-Rezeptoren: Das Herz wird “gepeitscht”.
    • Positiv inotrop: Steigerung der Schlagkraft.
    • Positiv chronotrop: Steigerung der Herzfrequenz.
    • Positiv dromotrop: Beschleunigung der Erregungsleitung.
  • Beta-2-Rezeptoren: Bewirkt eine Weitstellung der Bronchien (Bronchodilatation).

2. Indikationen: Wann wird es lebenswichtig?

  1. Reanimation (CPR): Um den Blutdruck (Perfusionsdruck) für Herz und Hirn hochzuhalten.
  2. Anaphylaxie (Grad III/IV): Um den Kreislauf zu stützen, die Bronchien zu weiten und Schwellungen zu lindern.
  3. Schwere Bradykardie: Wenn Atropin versagt (meist als Perfusor oder Tropf).
  4. Pseudokrupp / Inhalation: Zur Abschwellung der Atemwege (inhalativ).

3. Dosierung: Hier entscheidet die Präzision!

Adrenalin hat je nach Notfall völlig unterschiedliche Dosierungen. Ein Fehler kann hier tödlich sein.

  • Reanimation (Erwachsene): 1 mg i.v. (unverdünnt oder mit NaCl nachspülen). Alle 3–5 Minuten (meist nach dem 3. Schock, dann alle 2 Zyklen).
  • Anaphylaxie (Erwachsene): 0,5 mg i.m. (intramuskulär!).Hinweis: i.v. wird Adrenalin bei Anaphylaxie nur durch sehr erfahrene Anästhesisten/Notärzte und stark verdünnt gegeben, da die Gefahr von Kammerflimmern besteht.
  • Inhalation (z.B. Pseudokrupp): 2 mg bis 5 mg (pur oder mit NaCl verdünnt) über den Vernebler.
  • Bradykardie/Schock: Hier wird es oft fein titriert (z.B. 10 Mikrogramm-weise) oder über einen Perfusor gegeben.

4. Kontraindikationen

In der Reanimation gibt es keine Kontraindikationen!

Bei Patienten mit vorhandenem Kreislauf (z.B. Anaphylaxie) muss man aber vorsichtig sein bei:

  • Schwerer Hypertonie (Blutdruckkrise).
  • Tachyarrhythmien (rasendes Herz).
  • Schwerer KHK (Gefahr eines Herzinfarkts durch extremen Sauerstoffbedarf).

5. Nebenwirkungen

  • Herzrasen (Tachykardie) und Herzrhythmusstörungen.
  • Massiver Blutdruckanstieg.
  • Angst, Unruhe, Zittern.
  • Angina Pectoris (Herzenge).

Zusammenfassung für die Ausbildung

AnwendungDosis (Erwachsener)Weg
Reanimation1 mgi.v. / i.o.
Anaphylaxie0,5 mg (entspricht 0,5 ml der 1:1000 Ampulle)i.m. (Oberschenkel)
Inhalation2 – 5 mgVernebler

Praxis-Tipp: In der Hektik einer Reanimation wird oft “1 Ampulle” gerufen. Aber Vorsicht: Es gibt Ampullen mit 1 mg/1 ml und solche mit 1 mg/10 ml (fertig aufgezogen). Check immer zweimal, welche Konzentration du in der Hand hast! Bei der Anaphylaxie ist der i.m.-Weg im Oberschenkel Goldstandard, weil er sicher ist und schnell wirkt, ohne das Herz zu überlasten.

Dimetinden (Fenistil)

Dimetinden ist ein Antiallergikum. Während wir es privat oft als Gel gegen Mückenstiche nutzen, setzen wir es im Rettungsdienst intravenös ein, um systemische allergische Reaktionen zu stoppen.

1. Wirkweise: Den Histamin-Ansturm blocken

Bei einer Allergie schüttet der Körper massenhaft Histamin aus. Histamin sorgt für Juckreiz, Schwellungen (Ödeme) und eine Weitstellung der Gefäße (Blutdruckabfall).

  • Der Rezeptor: Dimetinden ist ein H1-Antihistaminikum der 1. Generation.
  • Der Mechanismus: Es besetzt die H1-Rezeptoren im Körper (kompetitiver Antagonist). Das Histamin findet keinen freien Platz mehr und kann seine Wirkung nicht entfalten.
  • Das Ergebnis: Die Gefäße werden wieder dichter (weniger Ödeme), der Juckreiz lässt nach und die Bronchien entspannen sich leicht.

Wichtig für die Ausbildung: Wie auch Vomex ist Dimetinden ein Antihistaminikum der 1. Generation. Das bedeutet, es ist sehr fettlöslich und gelangt problemlos ins Gehirn. Deshalb ist die Hauptnebenwirkung eine starke Müdigkeit.Bildmotiv: H1 receptor blockade by antihistamines

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2. Indikation: Wann ziehen wir die Ampulle?

  • Allergische Reaktionen: Von der Nesselsucht (Urtikaria) bis zum Quincke-Ödem (Schwellung im Gesicht/Hals).
  • Anaphylaktischer Schock: Hier immer in Kombination mit Adrenalin, Cortison und Volumen.
  • Juckreiz und Insektenstiche: Wenn die Reaktion über das normale Maß hinausgeht.

3. Dosierung: Die übliche Menge

  • Erwachsene: In der Regel 4 mg i.v. (entspricht einer Ampulle mit 4 ml).
  • Applikationsweg: Langsam i.v. spritzen.
  • Kinder: Hier wird nach Gewicht dosiert (meist ca. 0,1 mg pro kg Körpergewicht).

4. Kontraindikationen: Wann ist Vorsicht geboten?

Da es eng verwandt mit anderen Antihistaminika ist, ähneln sich die Warnhinweise:

  • Bekannte Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.
  • Frühgeborene und Neugeborene (hier ist die Gabe streng kontraindiziert).
  • Asthma-Anfall: Vorsicht, da die Sekrete in den Bronchien zäher werden können (ähnlich wie bei Vomex).
  • Glaukom und Harnverhalt: Aufgrund der leichten anticholinergen Wirkung.

5. Nebenwirkungen

  • Starke Sedierung: Der Patient wird oft sehr schläfrig („Fenistil-Hammer“).
  • Mundtrockenheit.
  • Gelegentlich Unruhe: Besonders bei Kindern kann es selten zu einer paradoxen Erregung statt Müdigkeit kommen.

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeH1-Antihistaminikum (1. Generation)
RezeptorH1-Rezeptor-Antagonist
Standard-Dosis4 mg i.v. (1 Ampulle)
HauptwirkungMinderung von Juckreiz, Ödemen und Gefäßweite bei Allergien

Praxis-Tipp: Dimetinden allein rettet keinen Patienten im anaphylaktischen Schock! Es bekämpft nur die Symptome an den Rezeptoren. Wenn der Patient Atemnot oder einen niedrigen Blutdruck hat, ist Adrenalin das Medikament, das den Unterschied macht. Dimetinden und Cortison sind dann die „Nachhut“, um die Reaktion langfristig zu stabilisieren.

Dimenhydrinat (Vomex)

Medikamenten-Check: Dimenhydrinat (Vomex)

Dimenhydrinat ist eigentlich ein Kombinationspräparat aus zwei Stoffen (Diphenhydramin und Chlortheophyllin). Wir nutzen es primär, um das Brechzentrum im Gehirn zu beruhigen.

1. Wirkweise: Ruhe im Brechzentrum

Um zu verstehen, wie Vomex wirkt, müssen wir uns das Brechzentrum im Hirnstamm ansehen. Dieses bekommt Signale von verschiedenen Stellen (Magen, Gleichgewichtsorgan, Blut).

  • Der Rezeptor: Ein wichtiger Botenstoff für die Übelkeit ist Histamin. Vomex wirkt als H1-Antihistaminikum der 1. Generation.
  • Die Blockade: Es besetzt die H1-Rezeptoren im Brechzentrum und im Gleichgewichtsorgan (Vestibularapparat).
  • Der Effekt: Die Signale, die „Übelkeit“ melden, kommen nicht mehr durch. Das Erbrechen wird gestoppt und der Schwindel lässt nach.

Wichtig für die Ausbildung: Da es ein Antihistaminikum der ersten Generation ist, geht es sehr leicht durch die Blut-Hirn-Schranke. Deshalb wirkt es zwar super gegen Übelkeit, macht aber auch extrem müde.


2. Indikationen: Wann geben wir es?

  • Übelkeit (Nausea) und Erbrechen: Egal ob durch einen Infekt, Reisekrankheit oder im Rahmen von Schmerzen.
  • Schwindel (Vertigo): Besonders wenn der Schwindel so stark ist, dass der Patient sich übergeben muss.

3. Dosierung: Standard im Rettungsdienst

Vomex gibt es als Zäpfchen, Dragees oder Ampullen. Im Notfall nutzen wir fast immer die Ampulle.

  • Standard-Dosis Erwachsene: 62 mg (entspricht einer Ampulle mit 10,7 ml Fertiglösung).
  • Applikationsweg: Langsam i.v. (über mindestens 2 Minuten).
  • Maximaldosis: 400 mg pro Tag.
  • Kinder: Hier wird streng nach Körpergewicht dosiert (ca. 1,25 mg pro kg Körpergewicht).

4. Kontraindikationen: Wann passen wir auf?

  • Akutes Asthma-Anfall: Antihistaminika können das Sekret in den Atemwegen zäher machen.
  • Erhöhter Augeninnendruck (Glaukom): Ähnlich wie Atropin kann es den Druck im Auge erhöhen.
  • Prostatavergrößerung (Adenom): Kann zu Harnverhalt führen.
  • Phäochromozytom: Ein seltener Tumor der Nebenniere.
  • Epilepsie / Krampfanfälle: Vomex kann die Krampfschwelle senken.

5. Nebenwirkungen: Das „Vomex-Koma“

  • Sedierung: Der Patient wird oft sehr schläfrig. Das ist im Rettungsdienst manchmal ein netter Nebeneffekt, muss aber überwacht werden.
  • Anticholinerge Effekte: Mundtrockenheit, Sehstörungen und ein leichter Anstieg der Herzfrequenz (Tachykardie).
  • Lokale Reizung: Wenn es zu schnell gespritzt wird, kann es Venenreizungen verursachen.

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeAntiemetikum / H1-Antihistaminikum
RezeptorH1-Rezeptor-Antagonist
Standard-Dosis62 mg i.v. (langsam!)
HauptwirkungDämpfung des Brechzentrums und des Gleichgewichtsorgans

Praxis-Tipp: Spritz Vomex wirklich langsam oder gib es direkt in eine laufende Infusion (Kurzinfusion). Wenn du es zu schnell “reinhämmerst”, klagen viele Patienten über Schwindel, Herzrasen oder ein unangenehmes Gefühl in der Vene. Und denk dran: Ein Patient, der Vomex bekommen hat, darf danach auf keinen Fall mehr selbst Auto fahren!

Cafedrin / Theodrenalin (Akrinor)

Akrinor ist ein Kombinationspräparat im Verhältnis 20:1. Das bedeutet, eine Ampulle (2 ml) enthält 200 mg Cafedrin und 10 mg Theodrenalin. Wir betrachten sie meist als Einheit, da sie sich in ihrer Wirkung perfekt ergänzen.

1. Wirkweise: Der sanfte Booster

Im Gegensatz zu reinem Adrenalin wirkt Cafedrin/Theodrenalin nicht wie ein Vorschlaghammer, sondern eher wie ein kräftiger Schubs für den Kreislauf.

  • Direkte Wirkung (Theodrenalin): Es stimuliert direkt die Alpha-1-Rezeptoren (Gefäßverengung -> Blutdruck steigt) und Beta-Rezeptoren (Herzleistung steigt).
  • Indirekte Wirkung (Cafedrin): Dies ist die Besonderheit. Cafedrin sorgt dafür, dass der Körper eigenes Noradrenalin aus den Speichern der Nervenenden ausschüttet.
  • Das Ergebnis: Der Blutdruck steigt (systolisch stärker als diastolisch), und die Kraft des Herzens (Inotropie) nimmt zu. Ein großer Vorteil: Die Durchblutung der Organe und der Plazenta (wichtig bei Schwangeren!) bleibt meist gut erhalten.

2. Indikation: Wann nutzen wir den Booster?

  • Hypotension: Wenn der Blutdruck zu niedrig ist (z. B. nach einer Narkoseeinleitung, bei Schockzuständen oder orthostatischem Kollaps).
  • Relative Hypovolämie: Wenn die Gefäße zu weit gestellt sind (z. B. bei einer anaphylaktischen Reaktion oder nach einer Spinalanästhesie).

3. Dosierung: Vorsichtig vortasten

Akrinor wird im Rettungsdienst fast nie als ganze Ampulle auf einmal gegeben, außer in extremen Notfällen.

  • Die “Fraktionierte Gabe”: Man zieht eine Ampulle (2 ml) in einer 10-ml-Spritze mit NaCl auf.
  • Einzelschritt: Man gibt meist 1 ml bis 2 ml dieser Mischung (entspricht etwa 1/10 bis 1/5 der Ampulle) und wartet kurz ab, wie der Blutdruck reagiert.
  • Wiederholung: Je nach Blutdruckwert wird in kleinen Schritten nachdosiert (“titrieren”), bis der Zielwert erreicht ist.

4. Kontraindikationen: Wann lassen wir es weg?

  • Hypertonie: Bei hohem Blutdruck verbietet sich das Medikament von selbst.
  • Tachykardie: Da es auch die Beta-Rezeptoren am Herzen kitzelt, würde ein ohnehin schon rasendes Herz noch schneller schlagen.
  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion): Diese Patienten reagieren extrem empfindlich auf Katecholamine.
  • Engwinkelglaukom: Wie bei vielen kreislaufwirksamen Stoffen steigt hier der Augeninnendruck.
  • Mitralklappenstenose: Bestimmte Herzklappenfehler vertragen den plötzlichen Druckanstieg schlecht.

5. Nebenwirkungen

  • Herzklopfen / Palpitationen: Der Patient merkt oft, wie das Herz kräftiger schlägt.
  • Angstgefühl / Unruhe: Durch die indirekte Adrenalin-Wirkung kann der Patient nervös werden.
  • Kopfschmerzen: Durch den schnellen Druckanstieg im Kopf.

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeIndirektes und direktes Sympathomimetikum
Mischverhältnis20 Teile Cafedrin : 1 Teil Theodrenalin
Standard-DosisFraktioniert (z. B. 1/10 Ampulle weise i.v.)
HaupteffektBlutdrucksteigerung bei erhaltener Organperfusion

Praxis-Tipp für das Protokoll: Akrinor ist super, um einen Patienten “transportfähig” zu machen, dessen Blutdruck nach einem Kollaps nicht von alleine hochkommt. Aber Achtung: Wenn der Patient blutet (Trauma), stopfen wir erst das Loch oder füllen Volumen auf, bevor wir den Druck künstlich hochtreiben (“Load and Go” vs. “Stay and Play”).

Butylscopolamin

Medikamenten-Check: Butylscopolamin

Wenn der Patient sich vor Schmerzen krümmt und von „wellenartigen“ Beschwerden im Bauch oder im Bereich der Nieren berichtet, schlägt die Stunde von Butylscopolamin. Es ist unser wichtigstes Spasmolytikum (krampflösendes Mittel).

1. Wirkweise: Entspannung für die inneren Organe

Butylscopolamin ist chemisch eng verwandt mit Atropin und gehört ebenfalls zur Gruppe der Parasympatholytika.

  • Der Zielort: Es wirkt gezielt auf die glatte Muskulatur der Bauch- und Beckenorgane (Magen, Darm, Gallenwege, ableitende Harnwege).
  • Der Mechanismus: Auch hier werden die Muskarin-Rezeptoren besetzt. Das blockiert das Acetylcholin, welches normalerweise den Befehl „Zusammenziehen/Verkrampfen“ gibt.
  • Der feine Unterschied: Im Gegensatz zu Atropin passiert Butylscopolamin die Blut-Hirn-Schranke kaum. Das bedeutet, es wirkt fast nur im Körper (peripher) und macht kaum Nebenwirkungen im Gehirn (wie Verwirrtheit).

2. Indikation: Wann hilft es?

Wir geben Butylscopolamin bei kolikartigen Schmerzen:

  • Gallenkolik: Krämpfe durch Gallensteine.
  • Nierenkolik: Krämpfe durch Nierensteine.
  • Spastiken im Magen-Darm-Trakt: Schwere Bauchkrämpfe.

Profi-Tipp: In der Regel wird Butylscopolamin mit einem Schmerzmittel (z. B. Metamizol) kombiniert, da es zwar den Krampf löst, aber den bereits entstandenen Schmerz nicht direkt betäubt.


3. Dosierung: Kurz und knapp

  • Standard-Dosis: 20 mg (entspricht einer Ampulle).
  • Applikationsweg: Langsam i.v. (intravenös). Man kann es auch i.m. geben, im Rettungsdienst ist i.v. aber Standard.
  • Wirkungseintritt: Nach wenigen Minuten.

4. Kontraindikationen: Hier ist Vorsicht geboten

Da es ein Parasympatholytikum ist, hat es ähnliche Ausschlusskriterien wie Atropin:

  • Glaukom (Grüner Star): Kann den Augeninnendruck gefährlich erhöhen.
  • Harnverhalt: Bei Patienten mit bekannter Prostatavergrößerung kann es dazu führen, dass sie gar kein Wasser mehr lassen können.
  • Mechanische Stenosen: Wenn der Darm mechanisch verschlossen ist (Ileus), ist Entspannung der Muskulatur oft kontraproduktiv.
  • Tachykardie: Da es die “Bremse” des Herzens leicht lösen kann, steigt der Puls oft an.

5. Nebenwirkungen

  • Tachykardie: Der Puls geht oft spürbar nach oben (Herzjagen).
  • Mundtrockenheit: Die Speichelproduktion wird gehemmt.
  • Sehstörungen: Die Pupillen können sich leicht weiten (Verschwommen-Sehen).
  • Blutdruckabfall: Besonders bei schneller i.v.-Gabe möglich.

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeSpasmolytikum / Parasympatholytikum
RezeptorMuskarin-Rezeptor-Antagonist
Standard-Dosis20 mg i.v.
HauptwirkungErschlaffung der glatten Muskulatur (Krampflösung)

Praxis-Tipp: Sag dem Patienten vor der Gabe kurz Bescheid, dass sein Herz gleich etwas schneller schlagen könnte und der Mund trocken wird. Das nimmt die Angst, wenn die Tachykardie einsetzt. Und denk dran: Bei einer Nierenkolik ist die Kombination aus Butylscopolamin und einem Analgetikum oft die einzige Chance, den Patienten schmerzfrei in die Klinik zu bringen!

Notfallmedikamente im Rettungsdienst

Im Rettungsdienst werden verschiedene Medikamente eingesetzt, die für die Notfallversorgung von Patienten entscheidend sind.
Arten von Medikamenten
Notfallmedikamente: Diese Medikamente sind für akute Situationen gedacht, wie z.B. Adrenalin bei anaphylaktischen Reaktionen, Nitroglycerin bei Angina pectoris oder Morphin zur Schmerzbehandlung.
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Medikamentenkarten: Es gibt spezielle Medikamentenkarten, die Notfallsanitäter bei der schnellen Identifikation und Anwendung von Medikamenten unterstützen. Diese Karten enthalten wichtige Informationen zu Indikationen, Dosierungen und Nebenwirkungen.
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Verschreibungspflichtige Medikamente: Neben Notfallmedikamenten sind auch häufig verschriebene Medikamente für chronische Erkrankungen wie COPD, Herzinsuffizienz und Diabetes im Einsatz

Atropin

Wenn die Herzfrequenz in den Keller geht und der Patient instabil wird, ist Atropin im Rettungsdienst oft das Mittel der ersten Wahl. Es ist der „Gegenspieler“ des Ruhe-Nervs.

1. Wirkweise: Der Kampf am Rezeptor

Um Atropin zu verstehen, muss man das Vegetative Nervensystem kennen: den Sympathikus (Action) und den Parasympathikus (Ruhe).

  • Der Parasympathikus: Dieser nutzt den Botenstoff Acetylcholin (ACh), um dem Herzen zu sagen: „Mach mal langsam“. Das geschieht über spezielle Empfänger, die Muskarin-Rezeptoren (genauer: M2-Rezeptoren am Herzen).
  • Atropin als Besetzer: Atropin ist ein Parasympatholytikum. Es wirkt als kompetitiver Antagonist. Das bedeutet: Es setzt sich auf die Muskarin-Rezeptoren und blockiert sie, ohne sie zu aktivieren.
  • Der Effekt: Das Acetylcholin vom Parasympathikus kommt nicht mehr an seinen Rezeptor ran. Die „Bremse“ des Herzens wird gelöst, und der Sympathikus kann die Herzfrequenz nach oben treiben.

2. Indikation: Wann wird es ernst?

  • Symptomatische Bradykardie: Wenn der Puls zu langsam ist (meist unter 40-50 Schlägen/Min) und der Patient Zeichen eines Schocks, Atemnot oder Bewusstseinstrübung zeigt.
  • Antidot bei Vergiftungen: Bei Vergiftungen mit Organophosphaten (z. B. Pestizide oder Kampfstoffe wie Sarin), die das Acetylcholin massiv erhöhen („Cholinerges Syndrom“).

3. Dosierung: Weniger ist manchmal gefährlich

Hier musst du in der Prüfung besonders aufpassen, denn eine zu niedrige Dosis kann nach hinten losgehen.

  • Standard-Dosis (Bradykardie): 0,5 mg i.v.
  • Wiederholung: Kann alle 3 bis 5 Minuten wiederholt werden (bis zu einer Höchstdosis von ca. 3 mg).
  • Gefahr der “Paradoxen Bradykardie”: Gibt man zu wenig Atropin (unter 0,5 mg), kann der Puls paradoxerweise noch weiter absinken, da zuerst Rezeptoren im Gehirn besetzt werden, die den Puls drosseln.

4. Kontraindikationen: Wann ist Vorsicht geboten?

In einer lebensgefährlichen Bradykardie gibt es kaum absolute Kontraindikationen, aber man sollte wissen, wo es Probleme geben kann:

  • AV-Block II Grades Typ Mobitz oder AV-Block III Grades: Hier wirkt Atropin oft nicht, da das Problem „tiefer“ im Reizleitungssystem liegt. Hier ist oft direkt der externe Schrittmacher gefragt.
  • Glaukom (Grüner Star): Atropin erhöht den Augeninnendruck massiv.
  • Tachykardie: Logisch, wer schon rast, braucht keinen Beschleuniger.
  • KHK / Herzinfarkt: Da Atropin den Sauerstoffbedarf des Herzens erhöht, kann es einen Infarkt verschlimmern.

5. Nebenwirkungen: Das „Atropin-Paket“

Du kannst dir die Nebenwirkungen mit einem alten Merksatz herleiten: „Heiß wie ein Ofen, rot wie eine Rübe, trocken wie ein Knochen, blind wie eine Maulwurf, furios wie ein Stier.“

  • Mundtrockenheit (Speichelfluss wird gehemmt).
  • Hautrötung und Hitzegefühl.
  • Pupillenerweiterung (Mydriasis) und Lichtscheu.
  • Harnverhalt (besonders bei älteren Männern).

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeParasympatholytikum
RezeptorBlockade von Muskarin-Rezeptoren (M2)
Standard-Dosis0,5 mg i.v.
Maximale Dosis3 mg (beim Erwachsenen)
Wichtigster EffektHerzfrequenzsteigerung (positiv chronotrop)

Praxis-Tipp: Atropin wirkt sehr schnell. Wenn dein Patient nach der Gabe plötzlich über einen sehr trockenen Mund klagt oder „komisch“ sieht, weißt du, dass das Medikament wirkt. Wenn Atropin bei einer Bradykardie nach der zweiten Gabe nicht hilft: Nicht Zeit verschwenden, sondern über Adrenalin-Perfusor oder den externen Schrittmacher nachdenken!
Ergänzung: Atropin als Antidot (Gegengift)

Bei Vergiftungen mit Organophosphaten (Pestizide, Insektizide) oder Alkylphosphaten (Kampfstoffe) kommt es zur sogenannten “cholinergen Krise”. Das Acetylcholin überflutet den Körper, der Patient “ertrinkt” quasi in seinen eigenen Sekreten (Speichel, Tränen, Bronchialsekret).

  • Die Dosierung als Antidot: Hier gibt es keine feste Obergrenze wie bei der Bradykardie.
  • Initialdosis: Meist 2 mg bis 5 mg i.v. (also das 4- bis 10-fache der Bradykardie-Dosis).
  • Fortführung: Es wird alle 5 bis 10 Minuten nachdosiert, bis die “Atropinisierung” eintritt.
  • Das Ziel: Man dosiert so lange nach, bis die Lunge frei von Rasselgeräuschen ist und die übermäßige Sekretion aufhört. In extremen Fällen können hier über den gesamten Einsatz hinweg 50 mg bis 100 mg Atropin notwendig sein.

Merke für die Prüfung: Während wir bei der Bradykardie vorsichtig mit 0,5 mg Schritten arbeiten, ist das Ziel beim Antidoteinsatz die “Austrocknung” der Sekrete, um das Überleben zu sichern.


Zusammenfassung der Dosierungen

Antidot (Vergiftung): 2 mg bis 5 mg i.v. initial, dann nach Wirkung (Ziel: freie Atemwege/Sekretstopp).

Symptomatische Bradykardie: 0,5 mg i.v. (Wiederholung alle 3-5 Min, max. 3 mg).

SABA

SABA und KABA – Zwei essentielle Konzepte für sicheres Auftreten in herausfordernden Situationen

Einleitung

In der modernen Kommunikations- und Entscheidungstheorie spielen verschiedene Verhaltensstrategien eine zentrale Rolle, insbesondere in Situationen mit hoher Unsicherheit. Zwei bemerkenswerte Konzepte, die in diesem Zusammenhang immer wieder genannt werden, sind das SABA-Prinzip („Sicheres Auftreten bei absoluter Ahnungslosigkeit“) und das KABA-Prinzip („Konkretes Auftreten bei begrenztem Ansatzwissen“).

Diese Prinzipien, die sowohl in der interpersonellen Kommunikation als auch in berufsbezogenen Kontexten Anwendung finden, erlauben es Individuen, Unsicherheiten strategisch zu überbrücken. Sie stützen sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Kognitionspsychologie, der Soziologie und der pragmatischen Kommunikationsforschung.

1. Das SABA-Prinzip – Ein kognitives Manöver der Unsicherheitskompensation

1.1 Definition und theoretische Einordnung

Das Akronym SABA beschreibt eine Strategie, die sich durch ein selbstbewusstes Auftreten trotz faktischer Unkenntnis eines Themas auszeichnet. Es basiert auf psychologischen Mechanismen wie kognitiver Dissonanzreduktionsozialer Erwartungskonformität und impliziten Hierarchiedynamiken.

Ziel dieser Strategie ist es, durch kontrollierte Körpersprache, spezifische Sprachmuster und selektive Informationsweitergabe eine Wissenslücke oder Unsicherheit nicht offenkundig werden zu lassen.

1.2 Neuropsychologische Grundlagen

Studien zur metakognitiven Selbstregulation zeigen, dass Unsicherheit im Gehirn durch das anteriore cinguläre Cortex verarbeitet wird. In Momenten der kognitiven Dissonanz greifen Individuen auf erlernte Verhaltensmuster zurück, um einen scheinbaren Wissensvorsprung zu suggerieren.

Hierbei spielen zwei Faktoren eine Schlüsselrolle:

1. Vertrauensbasierte Heuristiken: Menschen orientieren sich an sicher auftretenden Personen, da Selbstbewusstsein evolutionär mit Kompetenz assoziiert wird.

2. Reduktion sozialer Unsicherheiten: In Gruppenverhalten zeigt sich, dass Unsicherheit oft negativ bewertet wird, weshalb sich Individuen auf Strategien wie SABA verlassen.

1.3 Praktische Anwendung

Das SABA-Prinzip kann in zahlreichen Kontexten angewandt werden, insbesondere in:

Beruflichen Meetings: Durch eine überzeugende Argumentationsweise und kontrollierte Gestik kann eine Wissenslücke verborgen werden.

Notfallsituationen: Selbstbewusstes Auftreten kann helfen, Panik zu vermeiden, selbst wenn keine konkrete Lösung bekannt ist.

Öffentlichen Reden: Durch den gezielten Einsatz von Fachbegriffen kann eine thematische Kompetenz suggeriert werden.

1.4 Methoden zur effektiven Umsetzung von SABA

Für eine authentische Anwendung des SABA-Prinzips existieren erprobte Strategien:

Vermeidung direkter Aussagen: Statt „Ich weiß nicht“ sollte eine umschreibende Antwort gewählt werden, z. B. „Die aktuelle Forschung dazu zeigt interessante Entwicklungen.“

Spiegeltechniken: Körpersprache und Tonalität an das Gegenüber anpassen, um Autorität zu signalisieren.

Nutzung von Buzzwords: Schlagworte aus dem jeweiligen Fachgebiet einfließen lassen, um Fachkenntnis zu suggerieren.

2. Das KABA-Prinzip – Strategische Wissensmodulation unter Unsicherheit

2.1 Abgrenzung zu SABA

Während SABA primär auf sicheres Auftreten trotz vollständiger Unwissenheit setzt, beschreibt KABA eine Methode des konkreten Auftretens bei begrenztem Ansatzwissen. Hierbei wird vorhandenes Wissen gezielt eingesetzt, um Kompetenz in einem Teilbereich zu demonstrieren, während Unsicherheiten über andere Aspekte bewusst kaschiert werden.

2.2 Psychologische Mechanismen hinter KABA

Das KABA-Prinzip stützt sich auf folgende kognitive Strategien:

Selektive Informationspreisgabe: Durch Fokussierung auf bekannte Teilaspekte wird eine allgemeine Expertise suggeriert.

Priming-Effekte: Menschen neigen dazu, Kompetenz auf ein gesamtes Themenfeld zu übertragen, wenn sie in Teilbereichen demonstriert wird.

Soziale Verstärkung: Selbstbewusstes Auftreten wird durch nonverbale Signale positiv verstärkt, was zu einer erhöhten Glaubwürdigkeit führt.

2.3 Anwendungsbereiche von KABA

Das KABA-Prinzip findet in zahlreichen Domänen Anwendung, darunter:

Wissenschaftliche Diskussionen: Durch die Betonung einzelner Fachaspekte kann eine umfassendere Expertise suggeriert werden.

Verhandlungen: Selektive Preisgabe von relevanten Informationen kann die eigene Position stärken.

Führungskräfteentwicklung: Personen in Leitungspositionen nutzen KABA, um sich bei strategischen Entscheidungen abzusichern.

2.4 Effektive Umsetzung von KABA

Zur erfolgreichen Anwendung des KABA-Prinzips sind folgende Techniken hilfreich:

Schwerpunktverschiebung: Diskussionen auf bekannte Themen lenken, um Wissenslücken zu umgehen.

Taktische Pausen: Verzögerungen in der Kommunikation gezielt nutzen, um mehr Zeit zur Formulierung überlegter Antworten zu gewinnen.

Referenzierung externer Quellen: Durch Verweise auf andere Experten oder Studien wird eine höhere Glaubwürdigkeit erzielt.

3. Fazit und Ausblick

Die Konzepte SABA und KABA zeigen eindrucksvoll, dass sich selbst in Situationen hoher Unsicherheit durch gezieltes Verhalten ein kompetenter Eindruck erzeugen lässt. Während SABA durch maximales Selbstbewusstsein trotz Unwissenheit besticht, nutzt KABA vorhandenes Teilwissen, um Kompetenz zu untermauern.

In einer zunehmend komplexen Welt sind diese Prinzipien nicht nur in beruflichen und akademischen Kontexten, sondern auch in alltäglichen sozialen Interaktionen von großer Bedeutung. Zukünftige Forschungen könnten sich mit der neurobiologischen Basis dieser Phänomene sowie mit deren Auswirkungen auf Gruppenentscheidungen intensiver auseinandersetzen.

Literaturverweise (Beispielhafte Quellensimulation)

• Dunning, D., & Kruger, J. (1999). Unskilled and unaware of it: How difficulties in recognizing one’s own incompetence lead to inflated self-assessments. Journal of Personality and Social Psychology, 77(6), 1121–1134.

• Kahneman, D. (2011). Thinking, Fast and Slow. Farrar, Straus and Giroux.

• Festinger, L. (1957). A Theory of Cognitive Dissonance. Stanford University Press.

Dieser Artikel liefert einen fundierten Überblick über die SABA- und KABA-Strategien und zeigt, wie sie gezielt in verschiedenen Lebensbereichen angewendet werden können.