Glukose ist ein Kohlenhydrat, das im Körper direkt in Energie umgewandelt wird. In der Notfallmedizin unterscheiden wir strikt zwischen Trägerlösungen und Therapeutika.

1. Wirkweise: Energie für die Zellen

Glukose wird unter dem Einfluss von Insulin in die Zellen transportiert. Das Gehirn ist hier eine Ausnahme: Es kann Glukose auch ohne Insulin aufnehmen, ist aber darauf angewiesen, dass der Spiegel im Blut konstant bleibt.

  • Effekt: Sofortige Anhebung des Blutzuckerspiegels.
  • Osmolarität: Je höher die Konzentration (G20, G40), desto „aggressiver“ ist die Lösung für die Venenwände, da sie dem Gewebe Wasser entzieht (hyperton).

2. Die verschiedenen Konzentrationen

G5 (5 %ige Glukoselösung)

  • Bedeutung: 5 g Glukose auf 100 ml Wasser.
  • Einsatz: Reine Trägerlösung. Sie wird genutzt, um Medikamente aufzulösen (z. B. Amiodaron), die sich mit Kochsalz nicht vertragen.
  • Wichtig: G5 ist kein Energielieferant für den Notfall! Sie ist fast isoton und dient nur dem Flüssigkeitsersatz oder als Träger.

G10 (10 %ige Glukoselösung)

  • Bedeutung: 10 g Glukose auf 100 ml Wasser.
  • Einsatz: Das Standard-Therapeutikum bei Hypoglykämie (Unterzuckerung) nach aktuellen Leitlinien.
  • Vorteil: Sie ist deutlich venenschonender als hochprozentige Lösungen und lässt sich besser titrieren (man schießt den Zuckerwert nicht so extrem über das Ziel hinaus).

G20 / G40 (20 %ige oder 40 %ige Glukoselösung)

  • Einsatz: Massive Hypoglykämie, wenn schnell viel Zucker benötigt wird.
  • Gefahr: Diese Lösungen sind extrem hyperton. Wenn sie ins Gewebe laufen (Paravasat), drohen schwere Nekrosen (Absterben von Gewebe).
  • Praxis-Tipp: G40 sollte im Rettungsdienst immer mit mindestens der gleichen Menge NaCl verdünnt oder über eine sehr große, sicher liegende Vene gegeben werden.

3. Indikationen: Wann geben wir Zucker?

  • Hypoglykämie: Blutzucker (BZ) meist < 60 mg/dl (3,3 mmol/l) mit Symptomen wie Bewusstseinstrübung, Krampfanfall oder Aggressivität.
  • Differentialdiagnose: Jeder bewusstlose Patient bekommt eine BZ-Messung!

4. Dosierung: „Titrieren bis zum Erwachen“

Das Ziel ist nicht ein perfekter Wert, sondern dass der Patient wieder wach und ansprechbar wird.

  • Standard (Erwachsene):8 g bis 10 g Glukose i.v.
    • Das entspricht ca. 100 ml G10 oder 25 ml G40.
  • Vorgehen: Langsam spritzen, kurz warten, Patient ansprechen. Wenn er noch nicht wach ist, weitere 5–10 g geben.
  • Kinder: Hier ist man extrem vorsichtig und nutzt meist nur G10 (Dosierung: ca. 2 ml/kg KG).

5. Kontraindikationen & Gefahren

  • Ischämischer Schlaganfall: Wenn der BZ normal ist, darf keine Glukose gegeben werden, da dies das Hirnödem und den Schaden vergrößern kann.
  • Fehlender Venenzugang: Glukose darf niemals i.m. oder s.c. gespritzt werden (Nekrosengefahr!).
  • Unklarer Sitz der Kanüle: Bei geringstem Zweifel (Schwellung an der Einstichstelle) sofort stoppen!

Zusammenfassung für die Ausbildung

LösungGlukosegehaltHauptanwendung
G55 g / 100 mlTrägerlösung für Medikamente
G1010 g / 100 mlStandard bei Unterzuckerung (sicherer)
G20/G4020-40 g / 100 mlHochkonzentriert (Venenreizend!)

Praxis-Tipp: Wenn ein Diabetiker nach der Glukosegabe wieder wach wird, reicht das nicht aus! Er muss danach komplexe Kohlenhydrate essen (z. B. eine Scheibe Brot), da der gespritzte Zucker schnell verbraucht ist und der Patient sonst wieder in den Unterzucker rutscht. Und: Wer Glukose spritzt, muss sich zu 100 % sicher sein, dass die Kanüle in der Vene liegt – spül vorher großzügig mit NaCl vor!