Glyceroltrinitrat gehört zur Gruppe der Nitrate. Es ist ein sogenanntes Pro-Drug, das im Körper erst zu seinem eigentlichen Wirkstoff umgewandelt werden muss.
1. Wirkweise: Der NO-Spender
Nitrate wirken direkt an der glatten Muskulatur der Blutgefäße.
- Der Mechanismus: Im Körper wird aus Nitrospray Stickstoffmonoxid (NO) freigesetzt. NO aktiviert ein Enzym (Guanylatzyklase), das dafür sorgt, dass die Muskelzellen in den Gefäßwänden erschlaffen.
- Der Effekt (Vorlastsenkung): Zuerst weiten sich die Venen. Dadurch fließt weniger Blut zum Herzen zurück. Das Herz muss weniger arbeiten und braucht weniger Sauerstoff.
- Der Effekt (Nachlastsenkung): In höheren Dosen weiten sich auch die Arterien. Der Widerstand, gegen den das Herz pumpen muss, sinkt.
- Koronardilatation: Auch die Herzkranzgefäße selbst werden weitgestellt, was die Durchblutung des Herzmuskels verbessert.
2. Indikationen: Wann wird gesprüht?
- Angina Pectoris: Akuter Brustschmerz durch Sauerstoffmangel am Herzen.
- Akutes Koronarsyndrom (ACS): Zur Schmerzlinderung und Entlastung.
- Linksherzinsuffizienz / Lungenödem: Um das „gestaute“ Blut in den weitgestellten Venen zwischenzuparken und die Lunge zu entlasten.
3. Dosierung: Ein Hub zur Probe
- Standard-Dosis: 1 bis 2 Hübe (0,4 mg bis 0,8 mg) sublingual (unter die Zunge).
- Voraussetzung: Der Patient muss sitzen oder liegen, da der Blutdruck absacken kann.
- Wirkbeginn: Sehr schnell (innerhalb von 1–3 Minuten).
- Wiederholung: Bei ausbleibender Wirkung nach 5 Minuten wiederholbar, sofern der Blutdruck stabil bleibt.
4. Kontraindikationen: Die „Todesfalle“
Hier musst du in der Prüfung absolut sattelfest sein. Nitrospray hat gefährliche Ausschlusskriterien:
- Niedriger Blutdruck: Meist gilt ein Grenzwert von systolisch < 100 mmHg (manche Leitlinien sagen < 110 oder 120 mmHg).
- PDE-5-Hemmer (Potenzmittel): Hat der Patient in den letzten 24–48 Stunden Mittel wie Viagra, Cialis oder Levitra genommen? Wenn ja: Absolutes Verbot! Die Kombination führt zu einem unkontrollierbaren, oft tödlichen Blutdruckabfall.
- Rechtsherzinfarkt: Wenn die rechte Herzkammer betroffen ist, ist sie auf den Vorlauf angewiesen. Nimmst du ihr durch Nitro das Blut weg, bricht der Kreislauf zusammen.
- Aortenstenose / Hypertrophe Kardiomyopathie: Hier kann der Blutdruckabfall zum Kreislaufstillstand führen.
5. Nebenwirkungen
- Kopfschmerzen: „Nitro-Kopfschmerz“ durch die Weitung der Gefäße im Kopf (sehr häufig).
- Blutdruckabfall: Bis hin zum Synkope (Ohnmacht).
- Reflextachykardie: Das Herz schlägt schneller, um den fallenden Druck auszugleichen.
- Flush: Rötung des Gesichts.
Zusammenfassung für die Ausbildung
| Merkmal | Details |
| Wirkstoffgruppe | Nitrate (Vasodilatanzien) |
| Haupteffekt | Vorlastsenkung (venöses Pooling) |
| Standard-Dosis | 1 – 2 Hübe s.l. |
| Wichtigste Frage | Blutdruck? Potenzmittel? |
Praxis-Tipp: Bevor du Nitro sprühst, muss immer eine Blutdruckmessung und im Idealfall ein 12-Kanal-EKG erfolgt sein. Ohne EKG weißt du nicht, ob es ein Rechtsherzinfarkt ist. Und ein kleiner Trick: Frag männliche Patienten diskret nach Potenzmitteln, z.B.: “Nehmen Sie Medikamente für das Herz oder urologische Mittel wie Viagra?” Viele sagen es nicht von sich aus, aber es kann über Leben und Tod entscheiden.
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