Medikamenten-Check: Butylscopolamin
Wenn der Patient sich vor Schmerzen krümmt und von „wellenartigen“ Beschwerden im Bauch oder im Bereich der Nieren berichtet, schlägt die Stunde von Butylscopolamin. Es ist unser wichtigstes Spasmolytikum (krampflösendes Mittel).
1. Wirkweise: Entspannung für die inneren Organe
Butylscopolamin ist chemisch eng verwandt mit Atropin und gehört ebenfalls zur Gruppe der Parasympatholytika.
- Der Zielort: Es wirkt gezielt auf die glatte Muskulatur der Bauch- und Beckenorgane (Magen, Darm, Gallenwege, ableitende Harnwege).
- Der Mechanismus: Auch hier werden die Muskarin-Rezeptoren besetzt. Das blockiert das Acetylcholin, welches normalerweise den Befehl „Zusammenziehen/Verkrampfen“ gibt.
- Der feine Unterschied: Im Gegensatz zu Atropin passiert Butylscopolamin die Blut-Hirn-Schranke kaum. Das bedeutet, es wirkt fast nur im Körper (peripher) und macht kaum Nebenwirkungen im Gehirn (wie Verwirrtheit).
2. Indikation: Wann hilft es?
Wir geben Butylscopolamin bei kolikartigen Schmerzen:
- Gallenkolik: Krämpfe durch Gallensteine.
- Nierenkolik: Krämpfe durch Nierensteine.
- Spastiken im Magen-Darm-Trakt: Schwere Bauchkrämpfe.
Profi-Tipp: In der Regel wird Butylscopolamin mit einem Schmerzmittel (z. B. Metamizol) kombiniert, da es zwar den Krampf löst, aber den bereits entstandenen Schmerz nicht direkt betäubt.
3. Dosierung: Kurz und knapp
- Standard-Dosis: 20 mg (entspricht einer Ampulle).
- Applikationsweg: Langsam i.v. (intravenös). Man kann es auch i.m. geben, im Rettungsdienst ist i.v. aber Standard.
- Wirkungseintritt: Nach wenigen Minuten.
4. Kontraindikationen: Hier ist Vorsicht geboten
Da es ein Parasympatholytikum ist, hat es ähnliche Ausschlusskriterien wie Atropin:
- Glaukom (Grüner Star): Kann den Augeninnendruck gefährlich erhöhen.
- Harnverhalt: Bei Patienten mit bekannter Prostatavergrößerung kann es dazu führen, dass sie gar kein Wasser mehr lassen können.
- Mechanische Stenosen: Wenn der Darm mechanisch verschlossen ist (Ileus), ist Entspannung der Muskulatur oft kontraproduktiv.
- Tachykardie: Da es die “Bremse” des Herzens leicht lösen kann, steigt der Puls oft an.
5. Nebenwirkungen
- Tachykardie: Der Puls geht oft spürbar nach oben (Herzjagen).
- Mundtrockenheit: Die Speichelproduktion wird gehemmt.
- Sehstörungen: Die Pupillen können sich leicht weiten (Verschwommen-Sehen).
- Blutdruckabfall: Besonders bei schneller i.v.-Gabe möglich.
Zusammenfassung für die Ausbildung
| Merkmal | Details |
| Wirkstoffgruppe | Spasmolytikum / Parasympatholytikum |
| Rezeptor | Muskarin-Rezeptor-Antagonist |
| Standard-Dosis | 20 mg i.v. |
| Hauptwirkung | Erschlaffung der glatten Muskulatur (Krampflösung) |
Praxis-Tipp: Sag dem Patienten vor der Gabe kurz Bescheid, dass sein Herz gleich etwas schneller schlagen könnte und der Mund trocken wird. Das nimmt die Angst, wenn die Tachykardie einsetzt. Und denk dran: Bei einer Nierenkolik ist die Kombination aus Butylscopolamin und einem Analgetikum oft die einzige Chance, den Patienten schmerzfrei in die Klinik zu bringen!