Akrinor ist ein Kombinationspräparat im Verhältnis 20:1. Das bedeutet, eine Ampulle (2 ml) enthält 200 mg Cafedrin und 10 mg Theodrenalin. Wir betrachten sie meist als Einheit, da sie sich in ihrer Wirkung perfekt ergänzen.

1. Wirkweise: Der sanfte Booster

Im Gegensatz zu reinem Adrenalin wirkt Cafedrin/Theodrenalin nicht wie ein Vorschlaghammer, sondern eher wie ein kräftiger Schubs für den Kreislauf.

  • Direkte Wirkung (Theodrenalin): Es stimuliert direkt die Alpha-1-Rezeptoren (Gefäßverengung -> Blutdruck steigt) und Beta-Rezeptoren (Herzleistung steigt).
  • Indirekte Wirkung (Cafedrin): Dies ist die Besonderheit. Cafedrin sorgt dafür, dass der Körper eigenes Noradrenalin aus den Speichern der Nervenenden ausschüttet.
  • Das Ergebnis: Der Blutdruck steigt (systolisch stärker als diastolisch), und die Kraft des Herzens (Inotropie) nimmt zu. Ein großer Vorteil: Die Durchblutung der Organe und der Plazenta (wichtig bei Schwangeren!) bleibt meist gut erhalten.

2. Indikation: Wann nutzen wir den Booster?

  • Hypotension: Wenn der Blutdruck zu niedrig ist (z. B. nach einer Narkoseeinleitung, bei Schockzuständen oder orthostatischem Kollaps).
  • Relative Hypovolämie: Wenn die Gefäße zu weit gestellt sind (z. B. bei einer anaphylaktischen Reaktion oder nach einer Spinalanästhesie).

3. Dosierung: Vorsichtig vortasten

Akrinor wird im Rettungsdienst fast nie als ganze Ampulle auf einmal gegeben, außer in extremen Notfällen.

  • Die “Fraktionierte Gabe”: Man zieht eine Ampulle (2 ml) in einer 10-ml-Spritze mit NaCl auf.
  • Einzelschritt: Man gibt meist 1 ml bis 2 ml dieser Mischung (entspricht etwa 1/10 bis 1/5 der Ampulle) und wartet kurz ab, wie der Blutdruck reagiert.
  • Wiederholung: Je nach Blutdruckwert wird in kleinen Schritten nachdosiert (“titrieren”), bis der Zielwert erreicht ist.

4. Kontraindikationen: Wann lassen wir es weg?

  • Hypertonie: Bei hohem Blutdruck verbietet sich das Medikament von selbst.
  • Tachykardie: Da es auch die Beta-Rezeptoren am Herzen kitzelt, würde ein ohnehin schon rasendes Herz noch schneller schlagen.
  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion): Diese Patienten reagieren extrem empfindlich auf Katecholamine.
  • Engwinkelglaukom: Wie bei vielen kreislaufwirksamen Stoffen steigt hier der Augeninnendruck.
  • Mitralklappenstenose: Bestimmte Herzklappenfehler vertragen den plötzlichen Druckanstieg schlecht.

5. Nebenwirkungen

  • Herzklopfen / Palpitationen: Der Patient merkt oft, wie das Herz kräftiger schlägt.
  • Angstgefühl / Unruhe: Durch die indirekte Adrenalin-Wirkung kann der Patient nervös werden.
  • Kopfschmerzen: Durch den schnellen Druckanstieg im Kopf.

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeIndirektes und direktes Sympathomimetikum
Mischverhältnis20 Teile Cafedrin : 1 Teil Theodrenalin
Standard-DosisFraktioniert (z. B. 1/10 Ampulle weise i.v.)
HaupteffektBlutdrucksteigerung bei erhaltener Organperfusion

Praxis-Tipp für das Protokoll: Akrinor ist super, um einen Patienten “transportfähig” zu machen, dessen Blutdruck nach einem Kollaps nicht von alleine hochkommt. Aber Achtung: Wenn der Patient blutet (Trauma), stopfen wir erst das Loch oder füllen Volumen auf, bevor wir den Druck künstlich hochtreiben (“Load and Go” vs. “Stay and Play”).