Medikamenten-Check: Dimenhydrinat (Vomex)

Dimenhydrinat ist eigentlich ein Kombinationspräparat aus zwei Stoffen (Diphenhydramin und Chlortheophyllin). Wir nutzen es primär, um das Brechzentrum im Gehirn zu beruhigen.

1. Wirkweise: Ruhe im Brechzentrum

Um zu verstehen, wie Vomex wirkt, müssen wir uns das Brechzentrum im Hirnstamm ansehen. Dieses bekommt Signale von verschiedenen Stellen (Magen, Gleichgewichtsorgan, Blut).

  • Der Rezeptor: Ein wichtiger Botenstoff für die Übelkeit ist Histamin. Vomex wirkt als H1-Antihistaminikum der 1. Generation.
  • Die Blockade: Es besetzt die H1-Rezeptoren im Brechzentrum und im Gleichgewichtsorgan (Vestibularapparat).
  • Der Effekt: Die Signale, die „Übelkeit“ melden, kommen nicht mehr durch. Das Erbrechen wird gestoppt und der Schwindel lässt nach.

Wichtig für die Ausbildung: Da es ein Antihistaminikum der ersten Generation ist, geht es sehr leicht durch die Blut-Hirn-Schranke. Deshalb wirkt es zwar super gegen Übelkeit, macht aber auch extrem müde.


2. Indikationen: Wann geben wir es?

  • Übelkeit (Nausea) und Erbrechen: Egal ob durch einen Infekt, Reisekrankheit oder im Rahmen von Schmerzen.
  • Schwindel (Vertigo): Besonders wenn der Schwindel so stark ist, dass der Patient sich übergeben muss.

3. Dosierung: Standard im Rettungsdienst

Vomex gibt es als Zäpfchen, Dragees oder Ampullen. Im Notfall nutzen wir fast immer die Ampulle.

  • Standard-Dosis Erwachsene: 62 mg (entspricht einer Ampulle mit 10,7 ml Fertiglösung).
  • Applikationsweg: Langsam i.v. (über mindestens 2 Minuten).
  • Maximaldosis: 400 mg pro Tag.
  • Kinder: Hier wird streng nach Körpergewicht dosiert (ca. 1,25 mg pro kg Körpergewicht).

4. Kontraindikationen: Wann passen wir auf?

  • Akutes Asthma-Anfall: Antihistaminika können das Sekret in den Atemwegen zäher machen.
  • Erhöhter Augeninnendruck (Glaukom): Ähnlich wie Atropin kann es den Druck im Auge erhöhen.
  • Prostatavergrößerung (Adenom): Kann zu Harnverhalt führen.
  • Phäochromozytom: Ein seltener Tumor der Nebenniere.
  • Epilepsie / Krampfanfälle: Vomex kann die Krampfschwelle senken.

5. Nebenwirkungen: Das „Vomex-Koma“

  • Sedierung: Der Patient wird oft sehr schläfrig. Das ist im Rettungsdienst manchmal ein netter Nebeneffekt, muss aber überwacht werden.
  • Anticholinerge Effekte: Mundtrockenheit, Sehstörungen und ein leichter Anstieg der Herzfrequenz (Tachykardie).
  • Lokale Reizung: Wenn es zu schnell gespritzt wird, kann es Venenreizungen verursachen.

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeAntiemetikum / H1-Antihistaminikum
RezeptorH1-Rezeptor-Antagonist
Standard-Dosis62 mg i.v. (langsam!)
HauptwirkungDämpfung des Brechzentrums und des Gleichgewichtsorgans

Praxis-Tipp: Spritz Vomex wirklich langsam oder gib es direkt in eine laufende Infusion (Kurzinfusion). Wenn du es zu schnell “reinhämmerst”, klagen viele Patienten über Schwindel, Herzrasen oder ein unangenehmes Gefühl in der Vene. Und denk dran: Ein Patient, der Vomex bekommen hat, darf danach auf keinen Fall mehr selbst Auto fahren!