Furosemid gehört zur Gruppe der Schleifendiuretika. Es ist das Medikament der Wahl, wenn wir Wasser aus dem Körper (vor allem aus der Lunge) herausschwemmen müssen.
1. Wirkweise: Die Arbeit an der Henle-Schleife
Um die Wirkung zu verstehen, schauen wir uns das Nephron (die kleinste Einheit der Niere) an.
- Der Ort des Geschehens: Furosemid wirkt im dicken, aufsteigenden Teil der Henle-Schleife.
- Der Transporter: Es blockiert dort den Na-K-2Cl-Cotransporter (einen Transporter für Natrium, Kalium und Chlorid).
- Der Effekt: Normalerweise werden diese Salze dort aus dem Urin zurück ins Blut geholt. Furosemid verhindert das. Die Salze bleiben im Urin und ziehen durch Osmose massiv Wasser mit sich.
- Zusatz-Effekt: Unmittelbar nach der i.v.-Gabe (noch bevor die Niere Urin produziert) führt Furosemid zu einer Venendilatation (Erweiterung der Venen). Das senkt sofort die Vorlast des Herzens und entlastet die Lunge.
2. Indikationen: „Wasser marsch!“
- Akutes Lungenödem: Bei einer Linksherzinsuffizienz, wenn das Blut in die Lunge zurückstaut („Wasser in der Lunge“).
- Kardiale Ödeme: Schwere Wassereinlagerungen durch Herzschwäche.
- Hypertensive Krise: Wenn diese mit einem Lungenödem einhergeht.
3. Dosierung: Individuell nach Vorbelastung
Ein wichtiger Faktor ist, ob der Patient bereits zu Hause Diuretika nimmt.
- Standard-Dosis: Meist 20 mg bis 40 mg i.v.
- Anpassung: Patienten, die chronisch Diuretika nehmen, brauchen oft eine höhere Dosis (bis zu 80 mg oder mehr), um einen Effekt zu erzielen.
- Applikation: Langsam i.v. spritzen.
4. Kontraindikationen: Wann ist es gefährlich?
- Nierenversagen mit Anurie: Wenn die Niere gar keinen Urin mehr produziert, hilft auch Furosemid nicht mehr.
- Hypovolämie / Exsikkose: Bei einem Patienten, der ohnehin schon zu wenig Flüssigkeit im Körper hat (dehydriert ist), wäre eine weitere Entwässerung fatal.
- Schwerer Kaliummangel (Hypokaliämie): Da Furosemid massiv Kalium ausschwemmt, würde es den Mangel lebensgefährlich verschlimmern.
- Hypotonie: Da durch die Entwässerung das Blutvolumen sinkt, fällt auch der Blutdruck weiter ab.
5. Nebenwirkungen
- Elektrolytstörungen: Vor allem Verlust von Kalium, Natrium und Magnesium (Gefahr von Herzrhythmusstörungen!).
- Blutdruckabfall / Kreislaufkollaps.
- Hörstörungen: Bei sehr schneller i.v.-Gabe von hohen Dosen kann es (meist vorübergehend) zu Taubheit oder Ohrensausen kommen.
- Erhöhung des Blutzuckers: Vorsicht bei Diabetikern.
Zusammenfassung für die Ausbildung
| Merkmal | Details |
| Wirkstoffgruppe | Schleifendiuretikum |
| Angriffspunkt | Henle-Schleife (Na-K-2Cl-Cotransporter) |
| Standard-Dosis | 20 mg – 40 mg i.v. |
| Haupteffekt | Massive Diurese (Harnausscheidung) & Vorlastsenkung |
Praxis-Tipp: Das Lungenödem ist ein Klassiker im Nachtdienst. Der Patient hat Todesangst und bekommt keine Luft. Hier ist Furosemid ein Segen, aber denk an die Logik: Wenn der Patient unter dem Lungenödem einen Blutdruck von nur 90 mmHg hat, ist Furosemid riskant. Zuerst muss der Kreislauf stabilisiert werden (z.B. CPAP-Beatmung), bevor wir die Niere antreiben!