Setrone sind hochwirksame Antiemetika, die ursprünglich für die Übelkeit bei Chemotherapien entwickelt wurden.1 Im Rettungsdienst schätzen wir sie vor allem, weil sie – im Gegensatz zu Vomex – nicht müde machen.

1. Wirkweise: Die Blockade im Magen und Hirn

Der Schlüssel zum Verständnis ist der Botenstoff Serotonin (auch 5-HT genannt).

  • Der Rezeptor: Setrone sind 5-HT3-Antagonisten.2
  • Der Mechanismus: Wenn Zellen im Magen-Darm-Trakt gereizt werden, schütten sie Serotonin aus. Dieses aktiviert den Vagusnerv, der das Signal zum Brechzentrum leitet.3 Zusätzlich gibt es diese 5-HT3-Rezeptoren direkt in der “Chemorezeptoren-Triggerzone” im Gehirn.
  • Der Effekt: Die Setrone besetzen diese Rezeptoren.4 Das Serotonin kann seine Übelkeit auslösende Nachricht nicht mehr übermitteln. Die “Leitung” zwischen Magen und Gehirn ist quasi unterbrochen.

2. Indikationen: Wann sind sie die erste Wahl?

  • Massive Übelkeit und Erbrechen: Wenn andere Mittel versagen.
  • Übelkeit nach Opiatgabe: Häufige Nebenwirkung von Fentanyl oder Morphin.
  • Postoperative Übelkeit (PONV): Wenn Patienten nach einer Narkose aufwachen und sich erbrechen.
  • Vorteil im Einsatz: Ideal für Patienten, die wach bleiben müssen (z. B. zur neurologischen Beurteilung), da keine Sedierung eintritt.

3. Dosierung: Klein, aber oho

Beide Medikamente werden meist langsam i.v. verabreicht.

  • Ondansetron: 4 mg bis 8 mg i.v. (Oft gibt es Schmelztabletten für den Patienten zum Auflösen auf der Zunge oder Ampullen).
  • Granisetron: 1 mg bis 3 mg i.v.
  • Wirkungseintritt: Sehr schnell, meist innerhalb weniger Minuten.

4. Kontraindikationen: Darauf musst du achten

Obwohl sie sehr sicher sind, gibt es ein paar rote Flaggen:

  • Überempfindlichkeit: Bekannte Allergien gegen Setrone.
  • Kombination mit Apomorphin: Kann zu schwerem Blutdruckabfall führen.5
  • Angeborenes Long-QT-Syndrom: Setrone können das QT-Intervall im EKG verlängern (siehe Nebenwirkungen).
  • Schwangerschaft: Im ersten Trimenon ist man heute sehr zurückhaltend (Verdacht auf Fehlbildungen/Lippen-Kiefer-Gaumenspalte).

5. Nebenwirkungen

  • Kopfschmerzen: Die häufigste Nebenwirkung (oft als „Druckgefühl“ beschrieben).
  • Verstopfung (Obstipation): Da Serotonin auch die Darmbewegung steuert.6
  • EKG-Veränderungen: Verlängerung der QT-Zeit. Das ist bei einer Einmalgabe im Rettungsdienst selten kritisch, sollte aber bei Herzpatienten im Hinterkopf behalten werden.
  • Wärmegefühl: Manche Patienten berichten von einem plötzlichen Hitzeschwall bei der Injektion.

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalOndansetronGranisetron
Wirkstoffgruppe5-HT3-Antagonist5-HT3-Antagonist
Standard-Dosis4 – 8 mg i.v.1 – 3 mg i.v.
SedierungNein (wichtiger Unterschied zu Vomex)Nein
HaupteffektStoppt den Brechreiz zentral und peripherStoppt den Brechreiz zentral und peripher

Praxis-Tipp: Wenn du einen Patienten mit Verdacht auf einen Schlaganfall oder ein SHT hast, dem übel ist: Gib lieber ein Setron statt Vomex! Du willst den Patienten neurologisch beurteilen können – ein „Vomex-Koma“ macht die Diagnostik für dich und die Klinik fast unmöglich.