Ibuprofen wirkt „tripel-A“: analgetisch (schmerzlindernd), antipyretisch (fiebersenkend) und antiphlogistisch (entzündungshemmend).
1. Wirkweise: Die Enzym-Blockade
Ibuprofen greift direkt in die Entzündungskaskade des Körpers ein.
- Der Mechanismus: Es hemmt die Enzyme Cyclooxygenase-1 und -2 (COX-1 / COX-2).
- Der Effekt: Diese Enzyme sind dafür zuständig, Arachidonsäure in Prostaglandine umzuwandeln. Prostaglandine sind Botenstoffe, die Schmerzsignale verstärken, Fieber auslösen und Entzündungen fördern.
- Die Schattenseite: Da COX-1 auch für den Schutz der Magenschleimhaut und die Nierendurchblutung zuständig ist, führt die Blockade bei längerer Anwendung zu Problemen in diesen Organen.
2. Indikationen: Wann wird es eingesetzt?
- Leichte bis mäßig starke Schmerzen: Besonders bei entzündlichen Prozessen (z. B. Gelenkschmerzen, Zahnschmerzen).
- Fieber: Besonders bei Kindern ein Standardmittel.
- Traumatische Schmerzen: Prellungen, Zerrungen oder einfache Frakturen.
3. Dosierung: Gewicht zählt
- Erwachsene: Üblicherweise 400 mg bis 600 mg (oral). Die maximale Tagesdosis liegt für Selbstmedikation bei 1.200 mg, unter ärztlicher Aufsicht bei bis zu 2.400 mg.
- Kinder: Hier wird streng nach Körpergewicht dosiert (meist 7,5 mg bis 10 mg/kg KG als Einzeldosis).
- i.v.-Gabe: Es gibt Ibuprofen-Lösungen zur Infusion (z. B. 400 mg), diese müssen über ca. 30 Minuten laufen.
4. Kontraindikationen: Die “No-Go”-Liste
Da Ibuprofen die Blutgerinnung und den Magenschutz beeinflusst, gibt es klare Verbote:
- Aktive Magen-Darm-Blutungen oder Magengeschwüre (Ulzera).
- Schwere Niereninsuffizienz: Da Prostaglandine die Niere weitstellen; fehlt dieser Schutz, kann die Niere versagen.
- Asthma bronchiale: Bekanntes “Analgetika-Asthma” (Gefahr eines Bronchospasmus).
- Letztes Drittel der Schwangerschaft: Gefahr eines vorzeitigen Verschlusses des Ductus arteriosus beim Fötus.
- Blutungsneigung: Oder vor anstehenden großen Operationen.
5. Nebenwirkungen
- Magenbeschwerden: Sodbrennen, Übelkeit bis hin zur Magenperforation bei Dauereinnahme.
- Nierenschädigung: Besonders bei Dehydration (wenn der Patient zu wenig getrunken hat).
- Gerinnungshemmung: Die Thrombozytenaggregation wird reversibel gehemmt (weniger stark und kürzer als bei ASS).
Zusammenfassung für die Ausbildung
| Merkmal | Details |
| Wirkstoffgruppe | NSAR (Säure-Analgetikum) |
| Wirkweise | COX-1 & COX-2 Hemmung |
| Haupteffekt | Schmerzlindernd, Fiebersenkend, Entzündungshemmend |
| Wichtigste Gefahr | Magenschleimhautschädigung & Nierenbelastung |
Praxis-Tipp: Ibuprofen ist ein “Säure-Analgetikum”. Das bedeutet, es reichert sich besonders gut in entzündetem Gewebe an, da dort ein saures Milieu herrscht. Aber Achtung im Rettungsdienst: Hat dein Patient bereits Blutverdünner (wie Marcumar oder Xarelto) oder ist er dehydriert (Exsikkose), ist Ibuprofen eine schlechte Wahl. Hier greifen wir lieber zu Paracetamol.