Metoprolol gehört zur Gruppe der selektiven Beta-1-Rezeptorenblocker. Das bedeutet, es wirkt im Idealfall vor allem am Herzen und weniger an der Lunge.
1. Wirkweise: Die Bremse für den Sympathikus
Wenn wir Stress haben, schüttet der Körper Adrenalin und Noradrenalin aus. Diese Botenstoffe docken an die Beta-Rezeptoren am Herzen an und treiben es zur Höchstleistung.
- Der Rezeptor: Metoprolol besetzt die Beta-1-Rezeptoren am Herzen.
- Der Mechanismus: Es wirkt als kompetitiver Antagonist. Es besetzt die Plätze, damit Adrenalin und Noradrenalin nicht mehr andocken können.
- Der Effekt am Herzen:
- Negativ chronotrop: Die Herzfrequenz sinkt (Puls wird langsamer).
- Negativ dromotrop: Die Erregungsleitung (AV-Knoten) wird verlangsamt.
- Negativ inotrop: Die Schlagkraft sinkt leicht.
- Negativ bathmotrop: Die Erregbarkeit des Herzmuskels sinkt (Schutz vor Rhythmusstörungen).
2. Indikationen: Wann bremsen wir das Herz?
- Tachyarrhythmia absoluta (VHF): Wenn das Herz bei Vorhofflimmern viel zu schnell schlägt (Frequenzkontrolle).
- Supraventrikuläre Tachykardien: Zur Rhythmisierung, wenn andere Maßnahmen nicht greifen.
- Hypertensive Krise: Besonders wenn diese mit einer hohen Herzfrequenz einhergeht.
- Akutes Koronarsyndrom (ACS): In der Klinik zur Entlastung des Herzens (im Rettungsdienst nur nach strenger ärztlicher Abwägung).
3. Dosierung: Langsam herantasten
Metoprolol wird im Rettungsdienst immer intravenös titriert, da man die Bremswirkung genau beobachten muss.
- Standard-Vorgehen: Eine Ampulle enthält meist 5 mg Wirkstoff.
- Applikation: Man gibt 1 mg bis 2 mg pro Minute langsam i.v.
- Maximaldosis: In der Regel bis zu 10 mg bis 15 mg insgesamt (je nach SAA).
- Monitoring: Während der Gabe muss der Patient zwingend am EKG und an der Blutdruckmanschette hängen!
4. Kontraindikationen: Hier ist die Bremse gefährlich
- Bradykardie: Puls < 60 Schläge/Min.
- AV-Block II. oder III. Grades: Da die Leitung eh schon gestört ist.
- Kardiogener Schock: Ein versagendes Herz darf man nicht noch weiter bremsen.
- Asthma bronchiale: Auch „selektive“ Betablocker können in höheren Dosen die Beta-2-Rezeptoren in der Lunge blockieren und einen schweren Asthmaanfall auslösen.
- Hypotonie: Ein niedriger Blutdruck sinkt weiter.
5. Nebenwirkungen
- Blutdruckabfall.
- Extreme Bradykardie.
- Bronchospasmus (Atemnot bei Asthmatikern).
- Herzinsuffizienz: Ein schwaches Herz kann durch die verminderte Schlagkraft dekompensieren.
Zusammenfassung für die Ausbildung
| Merkmal | Details |
| Wirkstoffgruppe | Selektiver Beta-1-Blocker |
| Rezeptor | Beta-1 (Herz) |
| Standard-Dosis | Bis 5 mg i.v. (langsam titriert) |
| Hauptwirkung | Senkung der Herzfrequenz und des Sauerstoffbedarfs |
| Gefahr | Bronchospasmus und AV-Blockierungen |
Praxis-Tipp: Metoprolol ist ein super Medikament, um ein “rennendes” Herz einzufangen. Aber Achtung bei älteren Patienten: Die Wirkung kann verzögert eintreten. Spritz nicht zu schnell nach, sonst hast du plötzlich eine Bradykardie, die du mühsam mit Atropin wieder aufheben musst. Und frag immer nach Asthma!