Nalbufin ist ein gemischter Opioid-Agonist-Antagonist. Das bedeutet, es drückt an einem Rezeptor auf das Gaspedal, während es an einem anderen die Bremse betätigt.
1. Wirkweise: Das Spiel mit den Rezeptoren
Klassische Opiate wie Morphin wirken fast nur am My-Rezeptor. Nalbufin macht das anders:
- Kappa-Rezeptor (Agonist): Hier wirkt Nalbufin stimulierend. Das sorgt für die Schmerzlinderung (Analgesie) und eine leichte Beruhigung.
- My-Rezeptor (Antagonist): Hier wirkt es als Gegenspieler. Es blockiert diesen Rezeptor.
- Der „Ceiling-Effekt“: Das ist der wichtigste Punkt für die Ausbildung! Da Nalbufin den My-Rezeptor blockiert, gibt es eine Obergrenze für die Atemdepression. Ab einer bestimmten Dosis atmet der Patient nicht noch flacher, egal wie viel man gibt. Das macht es deutlich sicherer als Morphin.
2. Indikationen: Wann ist es ideal?
- Mittelschwere bis starke Schmerzen: Besonders bei traumatischen Verletzungen (Frakturen, Luxationen).
- Schmerztherapie bei Kindern: Wegen der hohen Sicherheit bei der Atmung wird es im pädiatrischen Rettungsdienst sehr gerne genutzt.
- Kurze Eingriffe: Wenn man eine gute Schmerzlinderung für den Transport braucht, aber keine tiefe Sedierung möchte.
3. Dosierung: Einfach zu merken
- Erwachsene: Üblicherweise 10 mg bis 20 mg i.v. (entspricht meist 1 bis 2 ml).
- Kinder: 0,1 mg bis 0,2 mg pro kg Körpergewicht.
- Applikation: Langsam i.v. spritzen.
- Wirkbeginn: Sehr schnell (ca. 2 bis 3 Minuten).
4. Kontraindikationen: Hier darf es nicht rein
- Abhängigkeit von Opiaten: Wenn ein Heroinabhängiger oder ein Schmerzpatient, der auf starken Opiaten (L-Polamidon, Fentanyl-Pflaster) eingestellt ist, Nalbufin bekommt, löst man einen akuten Entzug aus! (Weil Nalbufin das andere Opiat vom My-Rezeptor verdrängt).
- Schwere Schädel-Hirn-Traumata: Wegen der Beurteilung der Pupillen und des Bewusstseins.
- Echte Ateminsuffizienz: Trotz Ceiling-Effekt ist bei vorbestehender Atemnot Vorsicht geboten.
5. Nebenwirkungen
- Sedierung: Der Patient wird oft angenehm schläfrig.
- Übelkeit und Erbrechen: Kommt vor, aber seltener als bei Morphin.
- Schwitzen und Schwindel.
- Dysphorie: Manche Patienten empfinden die Wirkung (über den Kappa-Rezeptor) als unangenehm oder “unheimlich” (selten).
Zusammenfassung für die Ausbildung
| Merkmal | Details |
| Wirkstoffgruppe | Gemischter Opioid-Agonist-Antagonist |
| Rezeptoren | Kappa (Agonist) / My (Antagonist) |
| Standard-Dosis | 0,1 – 0,2 mg/kg i.v. (ca. 10-20 mg Erw.) |
| Größter Vorteil | Ceiling-Effekt (Sicherheit für die Atmung) |
| Größte Gefahr | Auslösen von Entzug bei Opioid-Gewöhnten |
Praxis-Tipp: Nalbufin ist ein super “Anfänger-Opioid”, weil man weniger Angst vor dem Atemstillstand haben muss. Aber Achtung beim Abfragen der Medikation: Wenn der Patient sagt “Ich nehme Schmerzpflaster” oder “Ich bekomme Methadon”, ist Nalbufin absolut tabu. Der Patient würde innerhalb von Sekunden in einen heftigen Entzug mit Zittern, Schwitzen und Schmerzen rutschen!