Paracetamol ist ein Nicht-Opioid-Analgetikum. Im Gegensatz zu Ibuprofen oder Aspirin gehört es jedoch nicht zur Gruppe der NSAR (Nicht-steroidale Antirheumatika), da es kaum entzündungshemmend wirkt.
1. Wirkweise: Das Rätsel im Kopf
Obwohl es seit Jahrzehnten genutzt wird, ist der Mechanismus immer noch nicht ganz geklärt. Man geht heute von folgendem aus:
- Zentrale Wirkung: Paracetamol wirkt primär im Zentralnervensystem (Gehirn). Es hebt die Schmerzschwelle an, indem es wahrscheinlich eine spezielle Variante des Enzyms Cyclooxygenase (COX-3) hemmt.
- Temperatur: Es wirkt stark fiebersenkend (antipyretisch) durch Beeinflussung des Temperaturregulationszentrums im Hypothalamus.
- Peripherie: Im Gegensatz zu Ibuprofen wirkt es im Gewebe kaum entzündungshemmend. Das ist der Grund, warum es bei einer dicken Knieentzündung weniger hilft als bei Kopfschmerzen.
2. Indikationen: Wann nutzen wir es?
- Leichte bis mäßig starke Schmerzen: Wenn Opioide noch nicht nötig sind.
- Fieber: Wenn das Fieber den Kreislauf zu stark belastet.
- Schon-Analgetikum: Es ist das Mittel der Wahl bei Patienten, die keine NSAR vertragen (z. B. bei Magengeschwüren oder Asthma).
3. Dosierung: Das 1-Gramm-Standardmaß
Im Rettungsdienst nutzen wir meist die Glasflaschen zur Infusion.
- Standard-Dosis (Erwachsene ab 50 kg): 1.000 mg (1 g) i.v.
- Applikation: Als Kurzinfusion über ca. 15 Minuten.
- Maximaldosis: Beim gesunden Erwachsenen 4 g pro Tag. (Wichtig für die Anamnese: “Haben Sie heute schon Paracetamol-Tabletten genommen?”)
- Kinder: Hier wird streng nach Gewicht dosiert (meist 15 mg/kg KG).
4. Kontraindikationen: Wenn die Leber streikt
- Schwere Leberinsuffizienz: Da Paracetamol fast ausschließlich über die Leber abgebaut wird.
- Schwere Niereninsuffizienz.
- Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel: Eine seltene Erbkrankheit.
5. Nebenwirkungen & Die dunkle Seite
Paracetamol gilt als sehr sicher, aber es hat eine tückische Eigenschaft:
- Lebertoxizität: Bei einer Überdosierung (schon ab ca. 6–7 g bei Erwachsenen) entstehen beim Abbau Giftstoffe, die die Leberzellen zerstören. Unbehandelt führt eine Paracetamol-Vergiftung zum Leberversagen.
- Blutdruckabfall: Bei der i.v.-Gabe kann es (ähnlich wie bei Metamizol, aber seltener) zu einem leichten Blutdruckabfall kommen.
- Allergien: Hautausschläge sind selten, aber möglich.
Zusammenfassung für die Ausbildung
| Merkmal | Details |
| Wirkstoffgruppe | Nicht-Opioid-Analgetikum |
| Haupteffekte | Schmerzlindernd & stark fiebersenkend |
| Standard-Dosis | 1 g i.v. (über 15 Min.) |
| Gefahr | Leberversagen bei Überdosierung |
| Vorteil | Sehr magenschonend, keine Hemmung der Blutgerinnung |
Praxis-Tipp: Paracetamol ist das perfekte Medikament für “stabilere” Patienten mit moderaten Schmerzen. Aber Achtung: Es wirkt relativ langsam. Erwarte keinen “Wow-Effekt” nach zwei Minuten wie bei Fentanyl. Die volle Wirkung tritt meist erst nach 10–20 Minuten ein. Frag den Patienten immer explizit nach Kombi-Präparaten (wie Wick MediNait oder Grippostad), da diese oft viel Paracetamol enthalten und die Tageshöchstdosis schneller erreicht ist, als man denkt!