Piritramid ist ein synthetisches Opioid. In der Hierarchie der Schmerzmittel steht es auf einer Stufe mit Morphin, hat aber ein paar entscheidende Vorteile im Rettungsalltag.
1. Wirkweise: Die sanfte Blockade
Wie alle Opioide setzt Dipi direkt im Gehirn und Rückenmark an.
- Der Rezeptor: Es ist ein reiner Agonist an den My-Opioidrezeptoren.
- Der Effekt: Es unterbricht die Schmerzweiterleitung und verändert die Schmerzverarbeitung.
- Besonderheit: Im Vergleich zu Morphin wirkt Piritramid weniger stark auf den Blutdruck und löst seltener Übelkeit aus. Außerdem führt es zu einer weniger starken Sedierung – der Patient bleibt also „klarer“ im Kopf.
2. Indikationen: Wann nehmen wir Dipi?
- Starke Schmerzen: Besonders bei Knochenbrüchen (Frakturen), Luxationen oder nach Operationen.
- Traumatische Schmerzen: Es ist oft das Mittel der Wahl für den Transport, wenn der Kreislauf stabil bleiben soll.
3. Dosierung: Die „Dipi-Regel“
Piritramid ist etwa 0,7- bis 0,8-mal so stark wie Morphin. Das bedeutet, man braucht ein bisschen mehr Wirkstoff für den gleichen Effekt.
- Standard-Ampulle: Meist 15 mg / 2 ml.
- Verdünnung: Oft wird die Ampulle mit 13 ml NaCl auf 15 ml aufgezogen. Dann entspricht 1 ml = 1 mg.
- Einzelschritt (Erwachsene): 3 mg bis 7,5 mg i.v. (langsam titriert).
- Wirkbeginn: i.v. nach ca. 2 bis 5 Minuten (etwas schneller als Morphin).
- Wirkdauer: Lange (ca. 4 bis 6 Stunden), was es super für lange Transportwege macht.
4. Kontraindikationen
- Atemdepression: Wenn die Atmung bereits unzureichend ist.
- Bewusstlosigkeit: Da die Beurteilung des Patienten erschwert wird.
- Schwere Leber- oder Nierenschäden.
- Bekannte Allergie gegen Piritramid.
5. Nebenwirkungen: Das „kleine“ Opioid-Paket
Obwohl es verträglicher ist als Morphin, bleiben die typischen Nebenwirkungen bestehen:
- Atemdepression: Bei Überdosierung hört der Patient auf zu atmen.
- Übelkeit und Erbrechen: Seltener als bei Morphin, aber immer noch möglich.
- Miosis: Stecknadelpupillen.
- Leichte Hypotonie: Der Blutdruck kann sinken.
Zusammenfassung für die Ausbildung
| Merkmal | Details |
| Wirkstoffgruppe | Synthetisches Opioid |
| Potenz | Ca. 0,7-mal so stark wie Morphin |
| Standard-Dosis | 3 – 7,5 mg i.v. (titriert) |
| Vorteil | Kreislaufstabiler und weniger Übelkeit als Morphin |
| Antidot | Naloxon |
Praxis-Tipp: Dipi ist im Rettungsdienst oft der „Liebling“, wenn es um Knochenbrüche geht. Es flutet etwas schneller an als Morphin, was den Patienten schneller Erleichterung bringt. Wichtig für die Dokumentation: Da es ein Betäubungsmittel (BtM) ist, muss jede verbrauchte Milligramm-Menge lückenlos im BtM-Buch dokumentiert werden!