Prednisolon ist ein synthetisches Glukokortikoid (Cortison). Es ahmt die Wirkung des körpereigenen Stresshormons Cortisol nach, wirkt aber deutlich stärker entzündungshemmend.

1. Wirkweise: Der genetische Schalter

Cortison wirkt nicht wie Adrenalin in Sekunden, da es einen komplexen Weg über den Zellkern nimmt.

  • Der Mechanismus: Prednisolon bindet an Rezeptoren im Zellinneren. Dieser Komplex wandert in den Zellkern und beeinflusst dort die Proteinsynthese.
  • Der Effekt: * Es hemmt die Bildung von Botenstoffen, die Entzündungen fördern (Zytokine, Prostaglandine).
    • Es stabilisiert die Membranen von Mastzellen, sodass weniger Histamin ausgeschüttet wird.
    • Es führt zu einer Abschwellung der Schleimhäute und senkt die Durchlässigkeit der Gefäße (Kapillarpermeabilität).
  • Wirkbeginn: Das ist wichtig für die Prüfung! Da erst Eiweiße umgebaut werden müssen, tritt die volle Wirkung erst nach 20 bis 30 Minuten ein.

2. Indikationen: Wann löschen wir?

  • Anaphylaxie (Allergischer Schock): Als fester Bestandteil des Algorithmus (nach Adrenalin und Antihistaminika), um die Zweitphasenreaktion zu verhindern.
  • Schweres Asthma bronchiale / COPD: Zur Abschwellung der Bronchialschleimhaut.
  • Pseudokrupp: Bei Kindern mit bellendem Husten und Atemnot (meist als Rektalkapsel/Zäpfchen).
  • Hirnödem: Zur Senkung des Drucks bei Tumoren oder Entzündungen (hier oft höhere Dosen).

3. Dosierung: „Klotzen, nicht kleckern“

Im Notfall wird Prednisolon hochdosiert eingesetzt. Eine kurzzeitige Hochdosis-Therapie hat kaum Nebenwirkungen.

  • Anaphylaxie / Asthma: 250 mg bis 500 mg i.v. beim Erwachsenen.
  • Pseudokrupp (Kinder): Meist 100 mg (als Rectodelt-Zäpfchen).
  • Leichte allergische Reaktionen: 50 mg bis 100 mg i.v.

4. Kontraindikationen: Im Notfall keine!

Da wir Prednisolon im Rettungsdienst meist nur ein einziges Mal (Einmaldosis) geben, gibt es keine absoluten Kontraindikationen bei vitaler Indikation.

Vorsicht ist nur bei Langzeitanwendung geboten (Magengeschwüre, Osteoporose, Infektanfälligkeit). Bei Diabetikern muss man wissen, dass der Blutzucker stark ansteigen kann.


5. Nebenwirkungen (bei Einmalgabe)

  • Blutzuckeranstieg: Vor allem für Diabetiker relevant.
  • Blutdruckanstieg: Meist geringfügig.
  • Magenbeschwerden: Bei empfindlichen Patienten (sehr selten bei Einmalgabe).
  • Psychische Veränderungen: Unruhe oder Euphorie (selten).

Zusammenfassung für die Ausbildung

MerkmalDetails
WirkstoffgruppeGlukokortikoid (Cortison)
HaupteffektEntzündungshemmend, Abschwellend, Immunsuppressiv
Wirkbeginnca. 20 – 30 Minuten (kein Sofortmittel!)
Standard-Dosis250 – 500 mg i.v. (Notfall)
BesonderheitStabilisiert Mastzellen und Gefäßwände

Praxis-Tipp: Merk dir für die Prüfung: Cortison rettet den Patienten nicht vor dem unmittelbaren Erstickungstod bei Anaphylaxie! Das macht das Adrenalin. Das Cortison ist für die “Spätphase” zuständig, damit der Patient nicht zwei Stunden später eine zweite allergische Welle bekommt. Wer beim anaphylaktischen Schock zuerst zum Cortison greift und das Adrenalin vergisst, begeht einen kritischen Fehler.