Ranitidin gehört zur Gruppe der H2-Rezeptor-Antagonisten (H2-Blocker). Es wurde früher standardmäßig bei zwei völlig unterschiedlichen Problemen eingesetzt: Magensäure-Problemen und schweren allergischen Reaktionen.
1. Wirkweise: Die Blockade der Histamin-Nebenstelle
Histamin wirkt im Körper an verschiedenen Rezeptoren. Während die H1-Rezeptoren eher für Juckreiz und Schwellungen zuständig sind, finden wir H2-Rezeptoren vor allem im Magen und an den Gefäßen.
- Der Mechanismus: Ranitidin besetzt kompetitiv die H2-Rezeptoren.
- Im Magen: Es blockiert die Wirkung von Histamin auf die Belegzellen. Dadurch wird die Produktion von Magensäure massiv gedrosselt.
- Bei Allergien: Es blockiert die H2-Rezeptoren an den Blutgefäßen. In Kombination mit einem H1-Blocker (wie Fenistil) sorgt es dafür, dass das bei einer Anaphylaxie ausgeschüttete Histamin “keinen Platz” mehr findet, um die Gefäße weit zu stellen (was zum Blutdruckabfall führt).
2. Indikationen: Gestern vs. Heute
Hier musst du für deinen Blog und die Ausbildung besonders aufpassen:
- Früher (Standard): Fester Bestandteil des Anaphylaxie-Algorithmus (Kombination aus H1-Blocker + H2-Blocker + Cortison).
- Heute (Rettungsdienst): Ranitidin wird im Rettungsdienst kaum noch eingesetzt. In den aktuellen Leitlinien zur Anaphylaxie spielt es nur noch eine untergeordnete Rolle, da der Fokus auf Adrenalin liegt.
- Klinik: Behandlung von Sodbrennen, Gastritis oder zur Prophylaxe von Stressulzera (Magengeschwüren).
3. Dosierung: Der Standardwert
Wenn es noch in den SAA deines Bereiches vorkommt, ist die Dosierung meist:
- Erwachsene: 50 mg i.v. (entspricht meist einer Ampulle).
- Applikation: Langsam i.v. spritzen (über ca. 2 Minuten).
4. Warum man es kaum noch sieht (Der “Skandal”)
In deinem Blog solltest du erwähnen, warum Ranitidin fast überall von den Autos verschwunden ist:
Im Jahr 2019/2020 gab es einen weltweiten Rückruf vieler Ranitidin-Präparate. Es wurden Verunreinigungen mit NDMA (einem potenziell krebserregenden Stoff) gefunden, die herstellungsbedingt waren. Seitdem ist das Vertrauen in den Wirkstoff gesunken, und viele Rettungsdienste haben die H2-Blocker komplett aus den Protokollen gestrichen.
5. Nebenwirkungen
- Bradykardie: Bei zu schneller i.v.-Gabe kann der Herzschlag kurzzeitig absinken.
- Verwirrtheit: Besonders bei älteren Patienten (selten bei Einmalgabe).
- Kopfschmerzen und Schwindel.
Zusammenfassung für die Ausbildung
| Merkmal | Details |
| Wirkstoffgruppe | H2-Rezeptor-Antagonist |
| Hauptwirkung | Hemmung der Magensäure & Schutz der Gefäße bei Allergie |
| Status im RD | Stark rückläufig / oft durch H1-Blocker allein ersetzt |
| Wichtigster Fakt | Teil der “klassischen” Anaphylaxie-Therapie |
Praxis-Tipp: Wenn du über Anaphylaxie schreibst, betone, dass Adrenalin i.m. das wichtigste Medikament ist. Ranitidin und andere Antihistaminika sind “Nice-to-have”, um Symptome wie Quaddeln und Juckreiz zu lindern, aber sie retten dem Patienten im Schock nicht das Leben!