Salbutamol ist ein kurzwirksames Beta-2-Sympathomimetikum (SABA).1 Es wirkt wie ein gezielter Adrenalin-Kick für die Lunge.
1. Wirkweise: Das „Gaspedal“ für die Bronchien
In den Bronchien befinden sich Rezeptoren des Sympathikus (unseres Stress-Systems).
- Der Rezeptor: Salbutamol stimuliert hochselektiv die Beta-2-Adrenozeptoren.2
- Der Mechanismus: Durch die Bindung entspannt sich die glatte Muskulatur, die die Bronchien umschließt.
- Der Effekt: Die Bronchialwege weiten sich (Bronchodilatation).3 Der Patient bekommt sofort besser Luft, das typische Giemen (Pfeifen beim Ausatmen) lässt nach.
- Zusatz-Effekt: Es steigert das Schlagen der Flimmerhärchen, wodurch zäher Schleim besser abtransportiert werden kann.
2. Indikationen: Wann wird inhaliert?
- Asthma bronchiale: Akute Atemnot und Bronchospasmus.4
- COPD: Bei akuter Verschlechterung (Exazerbation).5
- Anaphylaxie: Wenn die unteren Atemwege beteiligt sind (Giemen/Brummen).
- Rauchgasintoxikation: Zur Vorbeugung und Behandlung von Bronchospasmen nach Einatmen von Reizgasen.
3. Dosierung: Inhalation vs. Injektion
Im Rettungsdienst ist die Inhalation der Goldstandard, da der Wirkstoff direkt dorthin kommt, wo er gebraucht wird.
- Inhalation (Vernebler): Meist 1,25 mg bis 2,5 mg (oft als Fertig-Inhalat wie “Sultanol Fertig-Inhalat”). Dies wird mit 2–3 ml NaCl im Vernebler mit 6–8 Litern Sauerstoff pro Minute verabreicht.
- Dosieraerosol: 1–2 Hübe (oft über eine Inhalationshilfe/Spacer).
- Intravenös (Selten): Nur in extremen Notfällen, wenn die Inhalation nicht möglich ist (Dosierung analog zu Reproterol, sehr vorsichtig!).
4. Kontraindikationen: Hier ist Vorsicht geboten
- Frischer Herzinfarkt: Wegen der möglichen Steigerung der Herzfrequenz.
- Schwere Tachykardie: Wenn der Patient bereits einen Puls von 150 hat, kann Salbutamol diesen weiter in gefährliche Höhen treiben.
- Überempfindlichkeit: Bekannte Allergie gegen den Wirkstoff.
- Tachyarrhythmien: Besonders bei Vorhofflimmern mit hoher Frequenz.
5. Nebenwirkungen: Der “Zitter-Effekt”
Da Salbutamol auch Beta-Rezeptoren am Herzen und im Muskelgewebe stimulieren kann (vor allem in hohen Dosen), kommt es zu:
- Tachykardie: Der Puls steigt an.6
- Tremor: Feines Zittern der Hände (sehr typisch, oft beängstigend für Patienten).7
- Palpitationen: Herzklopfen.8
- Hypokaliämie: Salbutamol treibt Kalium in die Zellen (kann bei Überdosierung zu Herzrhythmusstörungen führen).
Zusammenfassung für die Ausbildung
| Merkmal | Details |
| Wirkstoffgruppe | Beta-2-Sympathomimetikum |
| Hauptwirkung | Bronchospasmolyse (Weitung der Atemwege) |
| Standard-Dosis | 1,25 mg – 2,5 mg (inhalativ) |
| Wirkbeginn | Nach ca. 30–60 Sekunden |
| Gefahr | Pulsanstieg und Kaliumabfall im Blut |
Praxis-Tipp: Wenn du Salbutamol vernebelst, achte darauf, dass der Patient ruhig und tief einatmet. Viele Patienten in Atemnot atmen flach und schnell. Leite sie an: “Tief durch die Maske einatmen, kurz die Luft anhalten, langsam ausatmen.” So kommt der Wirkstoff auch in den kleinen Bronchien an und verpufft nicht nur im Mundraum.