Urapidil ist ein Hybrid-Antihypertonikum. Das Besondere: Es wirkt sowohl an den Gefäßen (peripher) als auch im Gehirn (zentral).
1. Wirkweise: Die Doppel-Strategie
Urapidil greift an zwei verschiedenen Punkten an, um den Blutdruck zu senken:
- Peripher (an den Gefäßen): Es blockiert die Alpha-1-Adrenozeptoren in der glatten Muskulatur der Gefäße. Normalerweise sorgt Adrenalin hier für Engstellung. Durch die Blockade weiten sich die Gefäße, und der Widerstand sinkt.
- Zentral (im Gehirn): Es stimuliert die 5-HT1A-Rezeptoren im Kreislaufzentrum des Hirnstamms. Dies verhindert, dass der Körper mit einem reflektorischen Herzjagen (Tachykardie) auf den sinkenden Blutdruck reagiert.
- Der Effekt: Der Blutdruck sinkt, aber die Herzfrequenz bleibt meist stabil. Das Herz muss weniger Arbeit gegen den hohen Widerstand leisten.
2. Indikationen: Der hypertensive Notfall
- Hypertensive Krise / Notfall: Wenn der Blutdruck (meist > 200/120 mmHg) gesenkt werden muss, weil Organschäden drohen (z. B. bei Lungenödem, Schlaganfall oder schwerer Enzephalopathie).
- Kontrollierte Blutdrucksenkung: Wenn ein langsames, stufenweises Absinken wichtig ist.
3. Dosierung: Die 5-mg-Schritte
Urapidil sollte niemals als “Schuss” gegeben werden. Wir tasten uns vorsichtig heran.
- Standard-Vorgehen: Eine Ampulle enthält meist 25 mg / 5 ml oder 50 mg / 10 ml.
- Einzelschritte: Man gibt 5 mg bis 12,5 mg i.v. als langsamen Bolus (über ca. 2 Minuten).
- Warten: Man wartet 2–5 Minuten ab, um die Wirkung zu beurteilen, bevor man nachdosiert.
- Ziel: Senkung des Blutdrucks um maximal 20–25 % des Ausgangswertes (nicht direkt auf 120/80!).
4. Kontraindikationen: Hier ist es gefährlich
- Aortenstenose: Wie bei allen Gefäßweiterstellern droht hier ein Kreislaufkollaps.
- Aorten-Isthmusstenose: Eine seltene Verengung der Hauptschlagader.
- Schwangerschaft / Stillzeit: Nur bei strengster Indikation.
5. Nebenwirkungen
- Zu schneller Blutdruckabfall: Kann zu Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen führen.
- Bradykardie: Selten kann der Puls doch absinken.
- Herzklopfen und Angina Pectoris-Beschwerden.
- Schweißausbrüche.
Zusammenfassung für die Ausbildung
| Merkmal | Details |
| Wirkstoffgruppe | Alpha-1-Blocker (mit zentraler Wirkung) |
| Angriffspunkte | Peripher (Alpha-1) & Zentral (5-HT1A) |
| Standard-Dosis | 5 – 12,5 mg i.v. (langsam titriert) |
| Vorteil | Keine Reflextachykardie (Puls bleibt stabil) |
Praxis-Tipp: Urapidil ist die “sanfte Gewalt”. Es ist viel sicherer als die Zerbeißkapsel (Nitrendipin), weil du die Gabe sofort stoppen kannst, wenn der Druck zu schnell fällt. Denk aber dran: Ein extrem hoher Blutdruck ist oft eine Schutzreaktion des Körpers (z. B. beim Schlaganfall, um das Gehirn noch zu durchbluten). Senk den Druck also nie blindlings, sondern nur, wenn der Patient wirklich Symptome hat!
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