Handelsnamen wie Jonosteril, Sterofundin oder Ringer-Lactat/Acetat bezeichnen Lösungen, die in ihrer Zusammensetzung dem menschlichen Blutplasma nachempfunden sind.
1. Wirkweise: Physiologie aus der Flasche
Eine VEL ist eine isotone Lösung. Das bedeutet, ihr osmotischer Druck entspricht dem des Blutes.
- Zusammensetzung: Sie enthalten nicht nur Natrium und Chlorid (wie die klassische NaCl 0,9 %), sondern auch Kalium, Calcium und Magnesium in körperähnlichen Konzentrationen.
- Der Puffer: Moderne VEL (wie Sterofundin oder Jonosteril) enthalten zudem Acetat oder Malat. Diese Stoffe werden im Körper zu Bicarbonat verstoffwechselt und helfen, den Säure-Basen-Haushalt stabil zu halten (Pufferung gegen Azidose).
- Verteilung: Das ist der wichtigste Punkt für die Prüfung: Eine VEL bleibt nicht im Gefäß! Nach ca. 20–30 Minuten sind nur noch etwa 20–25 % der Infusionsmenge in der Blutbahn. Der Rest verschwindet im Gewebe (Interstitium).
2. Indikationen: Wann hängen wir sie an?
- Flüssigkeitsersatz: Bei Dehydration (Exsikkose), Erbrechen oder Durchfall.
- Volumenersatz (initial): Bei Blutverlust oder Schock, um den Kreislauf kurzfristig zu stützen.
- Offenhalten eines Zugangs: Damit die Vene nicht „zuklebt“ und wir jederzeit Medikamente geben können.
- Trägerlösung: Zum Verdünnen von Medikamenten.
3. Die gängigen Varianten im Vergleich
| Lösung | Besonderheit |
| Ringer-Laktat | Der Klassiker. Enthält Laktat als Puffer (Vorsicht bei Leberversagen, da Laktat dort abgebaut wird). |
| Jonosteril / Sterofundin | “Balancierte” Lösungen. Sie sind dem Plasma noch ähnlicher und nutzen Acetat/Malat als Puffer. |
| Isotone Kochsalz (NaCl 0,9 %) | Keine VEL! Besteht nur aus Na und Cl. Kann bei großen Mengen zu einer Übersäuerung des Blutes führen (hyperchlorämische Azidose). |
4. Dosierung: Mit Maß und Ziel
- Basalbedarf: ca. 30 ml pro kg Körpergewicht über 24 Stunden.
- Im Notfall (Schock): Initial meist ein Bolus von 250 ml bis 500 ml. Früher hat man “geflutet” (literweise rein), heute ist man vorsichtiger (Permissive Hypotension), besonders bei inneren Blutungen, um Gerinnsel nicht wegzuspülen.
5. Kontraindikationen & Risiken
- Lungenödem / Herzinsuffizienz: Hier ist jede zusätzliche Flüssigkeit “Gift”, da das Herz die Last nicht bewältigen kann.
- Ödeme: Bei massiven Wassereinlagerungen.
- Schwere Niereninsuffizienz: Die Niere kann die Elektrolyte und das Wasser nicht mehr ausscheiden.
Zusammenfassung für die Ausbildung
- Isoton: Gleicher Druck wie im Blut.
- Balanciert: Enthält Puffer gegen Übersäuerung.
- Kurzzeit-Effekt: Nur ein Bruchteil bleibt dauerhaft in den Gefäßen.
Praxis-Tipp: Warum ist NaCl 0,9 % eigentlich “out”? Weil es zu viel Chlorid enthält. Wenn du einem Patienten 2 Liter NaCl gibst, riskierst du eine sogenannte Azidose (Übersäuerung). Greif im Zweifel also immer zur balancierten VEL wie Sterofundin oder Jonosteril – dein Patient und seine Nieren werden es dir danken!
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